Jannek Suhr
Filmkritiken von Jannek Suhr
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Narzisstische Millennium-Menschen, die um sich selbst kreisen und ihre eigentlich perfekte Fernbeziehung an die Wand fahren: Anna Rollers Verfilmung ruft ähnliche Irritationen hervor wie der Roman von Leif Randt, ist damit aber als dessen Umsetzung gelungen.
Der thailändische Regisseur Ratchapoom Boonbunchachoke erzählt von Geistern, die in Staubsaugern weiterleben und an unaufgearbeitete Verbrechen erinnern. Ein herausfordernder Debütfilm, dem mit seinen wechselnden Handlungssträngen und Figuren nicht immer leicht zu folgen ist, der aber seine ganz eigene Faszination entwickelt.
Ein katholischer Pfarrer versucht, die Pfarrgemeinde durch eine Aufführung der Passionsgeschichte am Leben zu erhalten, doch diese artet in einen blasphemischen Rave aus. Alison Kuhn seziert in ihrem Debütfilm gleichermaßen den Zustand von Kirche, dörflichem Leben und Kunstbetrieb und bewegt sich stilistisch irgendwo zwischen Satire, dunkler Komödie und realistischem Drama.
Die Geschichte um einen syrischen Schriftsteller, der beim Aufenthalt auf einer Hallig neuen Lebensmut findet, besticht durch Atmosphäre und beeindruckende Bilder, bleibt aber teilweise zu abstrakt.
Ethan Coen versucht eine Art queerer Neuinterpretation klassischer Film noirs. Die Figur von Margaret Qualley ist gelungen, die verschiedenen Themen und Handlungsstränge aber zu chaotisch und mit zu viel überdrehten Sex- und grotesk blutigen Gewaltszenen.
Zwar umschifft der Film die Wokeness-Debatten einigermaßen souverän und taugt je nach Geschmack für belangloses Amüsement, aber der alberne, parodistische Humor wirkt doch etwas aus der Zeit gefallen.
Oliver Laxes endzeitlicher Wüsten-Raver-Roadtrip ist nicht immer leicht zugänglich, besticht aber durch eine mysteriös faszinierende Atmosphäre, wummernden Sound und vielfältige Interpretationsmöglichkeiten.
Ein fürs deutsche Kino ungewöhnliches und hartes Thriller-Drama, das sich vom Stil klassischer Fernsehkrimis abhebt und mit Atmosphäre, Milieuzeichnung und einer emotionalen Geschichte um zwei ungleiche Brüder überzeugt.
Die Neuauflage von Oliver Rihs' fast gleichnamigen Episodenfilm ist nicht ganz so kultig wie das Original, entwirft aber erneut skurrile wie unterhaltsame Berlin-Charaktere mit ihren unterschiedlichen Nöten.
Ein zwielichtiger Geschäftsmann will sein Lebensprojekt vollenden – Wes Anderson entwirft eine kurzweilige Fabel über Moral und mischt in seinen verspielten Humor eine ungewohnt makabre Note.
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Blogeintrag
»Gelbe Briefe« von İlker Çatak ist der erste deutsche Film seit 2004, der den Hauptpreis der Berlinale gewinnen konnte, Sandra Hüller erhielt einen Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin.
Blogeintrag
Politische Debatten, fehlende Stars: Die Berlinale hat es nicht leicht – In diesem Jahr lautete die Devise Weltkino anstelle von Hollywood-Glamour, welche Preise vergeben werden, entscheidet sich bei der Abschlussgala am Samstag.
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Parallel zum Wettstreit um Warner Bros. hat Netflix mit der finalen Staffel von »Stranger Things« eines seiner Serien-Flaggschiffe verabschiedet. Zeit für einen Rückblick auf das Phänomen und für die Frage, was nun kommt.
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Atom Egoyans ambitioniertes Vexierspiel um eine Inszenierung der Oper »Salome« lief 2024 im Special der Berlinale und hat nun immerhin einen Video-on-Demand-Start bekommen.
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Familiendramen und Sci-Fi-Dystopien: Die Hofer Filmtage präsentierten in ihrer 59. Ausgabe ein ansprechendes Programm, das unter anderem die Vielfältigkeit des deutschen Films unter Beweis stellte.
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Die Künstliche Intelligenz ist gekommen um zu bleiben – Die seit Kurzem an der Filmakademie Baden-Württemberg tätige KI-Spezialistin Nira Bozkurt erklärt im Interview, wem die Technik nutzt und was sie heute schon kann.
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Das auf Independent-Filme spezialisierte Filmfest Oldenburg ist ein Ort für Entdeckungen – sogar Sean Baker hat hier seine ersten Filme präsentiert.
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Eine umfassende Box präsentiert zehn Filme aus der frühen Schaffensphase von Regielegende Alfred Hitchcock.
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Die Plansequenz sei eines der »virtuosesten Stil- und Erzählmittel des Films«, heißt es zur neuen Ausstellung des Filmmuseums in Frankfurt. Jannek Suhr erzählt, wie das Filmen in langen Einstellungen technisch möglich wurde, und liefert aktuelle Beispiele.
Meldung
Das Lichter Filmfest bot nicht nur ein buntes Filmprogramm, sondern war mit dem Kongress Zukunft Deutscher Film auch wieder Schauplatz hochaktueller Debatten.




