Anke Westphal

Filmkritiken von Anke Westphal

Reichlich dröges Biopic von Marjane Satrapi: Das Hauptaugenmerk liegt pathetisch auf der Liebes- und Arbeitsbeziehung von Pierre und Marie Curie
Sozialdrama von Hüseyin Tabak, das ganz um seine Hauptfigur, die rumänische Romni Ali herum gebaut ist und den Boxsport zur deutlichen Lebensmetapher macht. Die Roma-Aktivistin Alina Șerban ist ein Ereignis in der Hauptrolle. Ihr sprechender Blick ist es, der den Zuschauern eine ganz eigene Sicht auf prekäre Arbeitsverhältnisse und das Hamburger Milieu vermittelt
Regisseur Benedict Andrews verknüpft in seinem Biopic die politische Sinnsuche Sebergs und ihre Affäre mit einem Black-Panther-Aktivisten mit der Läuterungsgeschichte eines FBI-Agenten, der an den Methoden seines Arbeitgebers zu zweifeln beginnt. Die Schwarz-Weiß-Zeichnung der Figuren und die allzu offenkundige Moral sind nur zwei der Schwächen dieses Films
Louisa May Alcotts bereits vielfach verfilmtes Buch über vier Schwestern im Neuengland des 19. Jahrhunderts inszeniert Greta Gerwig liebevoll als so energetische wie stoffliche Coming-of-Age-Geschichte zwischen Träumen und gesellschaftlicher Realität, Romanfiktion und filmischer Erzählung. Visuell wundervoll, sagt jedes Bild, jede Konstellation und Farbe etwas über die Figuren, an deren Seite man hofft und bangt
In seinem jüngsten Film erzählt Terrence Malick vom oberösterreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der von den Nazis hingerichtet wurde, weil er sich aus religiösen Gründen dem Wehrdienst verweigerte. Als Zuschauer muss man indes nicht gläubig sein, um diesen Film als kostbares Geschenk zu verstehen. Er entfaltet die Geschichte einer reinen Seele und eines Menschen, der bis zuletzt wertekonform handelt und dadurch zum Außenseiter wird in einer Gemeinschaft potentiell violenter Konformisten
Anna Bronsky lehrt an einem renommierten Musikgymnasium. Ihr eigener Wunsch, Musikerin zu werden, hat sich nicht erfüllt. Ina Weisse erzählt von einer Gratwanderung zwischen Unsicherheit und der Suche nach dem Absoluten, bei der jede kleine Disziplinlosigkeit für Anna zur unerträglichen Zumutung wird. Mit Nina Hoss in der Titelrolle zeichnet der Film nicht nur das Porträt einer in ihrer Leistungsbesessenheit harten Frau und ihrer Familie, sondern ist auch Studie über Konkurrenz und Abgrenzungen
Brave Kinoadaption einer wahren Geschichte über vier Stripclub-Arbeiterinnen, die im Zuge der Finanzkrise kriminell kreativ werden müssen, weil sie ihre bestens zahlende Banker-Kundschaft von der Wall Street verlieren. »Hustlers« setzt in der Regie von Lorene Scafaria auf Glamour und Sexyness im Tabloid-Format. Jennifer Lopez präsentiert in der Rolle des Masterminds Ramona bruchlos vor allem ihr Star-Image: attraktiv, alterslos und charakterlich irgendwie in Ordnung
Christoph Röhl zeichnet in seinem Dokumentarfilm über Papst Benedikt XVI. das Bild eines Mannes, der die römisch-katholische Kirche als »Haus voll Gloria« sehen wollte und ihre Krisen (u.a. die Missbrauchsskandale) nicht zu moderieren verstand
Ava ist 25, und der Filmtitel meint, leicht ironisch, ihr Leben und vielleicht sogar eine Generation. Konsequent und dabei zutiefst beunruhigend kreist Sophie Kluges episodenhafter Spielfilm »Golden Twenties« um die vorläufige Unbestimmtheit einer jungen Frau
In Denys Arcands neuem Spielfilm tun sich ein Philosoph, ein Ex-Knackie und ein Escort-Girl zusammen, lauter gute Menschen mit goldenem Herz, um das System auszutricksen. Mit der Krimikomödie »Der unverhoffte Charme des Geldes« formuliert Arcand erneut seinen Einspruch gegen die Strukturen einer Gesellschaft, in der alles auf Geld und Erfolg ausgerichtet ist

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Tipp
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Meldung
Andreas Dresen hat in ­seinem letzten Film »Als wir träumten« von ­einer Leipziger Jugendclique nach der Wende erzählt. Jetzt holt er weiter aus: In der Figur des Rockmusikers »Gundermann« verdichten sich Erfahrungen aus zwei Gesellschafts­systemen