Kritik zu Jean Seberg – Against all Enemies

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Benedict Andrews legt sein Biopic eher wie einen Polit-Thriller an und konzentriert sich auf das Engagement der US-Schauspielerin und Nouvelle-Vague-Ikone für die Black Panthers und auf die geheimdienstlichen Folgen dieser Parteinahme

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Als der Regisseur Otto Preminger im Jahr 1957 »Saint Joan – Die heilige Johanna« drehte, erfassten die Flammen in der Scheiterhaufenszene die Hauptdarstellerin Jean Seberg und verletzten sie schwer. Sebergs Schreie gellten panisch. Diese Sequenz eines authentischen Schmerzes steht nun am Beginn von Benedict Andrews' Spielfilm »Jean Seberg – Against All Enemies«, und man kann nicht umhin, die mehrfache Spiegelung in diesem Anfang zu bemerken: Ein Star – nämlich Kristen Stewart – verkörpert hier eine Starschauspielerin – Jean Seberg –, die wiederum eine Heilige – Jeanne d'Arc – verkörpert. In der Folge setzt der australische Theater- und Filmregisseur Andrews tatsächlich immer wieder Spiegel ein, in denen das Bild Sebergs erscheint und man sich des prüfenden Blicks bewusst wird, den sie auf sich selbst wirft. 

Der Blick der Zuschauer auf die Schauspielerin lässt sich naturgemäß weniger exakt definieren. Die 1938 in Iowa geborene Jean Seberg war zwar durch ihre Rollen in Filmen wie »Außer Atem« eine Ikone der Nouvelle Vague, doch im Gedächtnis der Nachwelt nimmt sie weniger Raum ein als die Hollywood-Diven ihrer Generation. Dabei sorgte die Schauspielerin ab Ende der 1960er Jahre auch durch ihr Engagement für die radikale Bürgerrechtsbewegung der Black Panthers für Schlagzeilen in ihrer US-amerikanischen Heimat. Diese Parteinahme und deren Folgen stehen im Mittelpunkt des Films, der leider recht plakativ verfährt in ihrer Darstellung.

Da wird Gut und Böse säuberlich auseinandergehalten, nachdem Seberg durch ihre großzügigen Geldspenden an die Black Panthers und ihre Affäre mit dem BP-Aktivisten Hakim Jamal (Anthony Mackie) ins Visier des FBI gerät. Parallel zur Liebesgeschichte wird nämlich von der Läuterung eines jungen FBI-Agenten erzählt, der mit den brutalen Überwachungs- und Zersetzungsaktivitäten des Geheimdienstes bald nicht mehr einverstanden ist. Sebergs Fragilität berührt Jack Solomon (Jack O'Connell), so dass er ihr unter der Hand ihre Observationsakte geben will, nachdem die Schauspielerin im allzu berechtigten Verfolgungswahn einen Suizidversuch unternommen hat. Seberg lehnt jedoch ab.

Zwar problematisiert Benedict Andrews die Rolle des weißen und zudem weiblichen Stars im Kreis der afroamerikanischen Kämpfer, aber sein Film weist dennoch etliche Schwächen auf: So bleibt etwa der Blick auf Seberg hauptsächlich einer der Überwacher. Neben der allgemeinen Schwarz-Weiß-Malerei fällt die magere Motivierung wichtiger Handlungen auf. Dass Seberg die Black Panthers unterstützt, wirkt wie eine rein spontane Entscheidung, auch wenn sie sagt, dass sie was bewegen möchte. Dass sie diese Unterstützung ungeachtet des ungeheuren Drucks seitens des FBI aufrechterhält, erscheint dann wie Trotz. Aber etwas mehr wird doch wohl dabei gewesen sein! Kristen Stewart wird indes eine Bühne gebaut: Sie darf androgyn, tollkühn, zerbrechlich und glamourös sein. Nur widersprüchlich oder zweifelnd sein – das darf sie nicht.

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