Alexandra Seitz

Filmkritiken von Alexandra Seitz

Eine spielerisch gemeinte Enthüllung kurz vor der Hochzeit stürzt das vermeintlich glückliche Paar in eine tiefe Krise. Kennt man einander eigentlich wirklich? Und wenn nein, hat das dann noch einen Sinn? Borglis treffend betitelte, prominent besetzte Versuchsanordnung kreist um die Frage, wie viel Wahrheit die Liebe verträgt, und findet dezidiert unromantische Antworten.
Regisseur Wheatley, Drehbuchautor Kolstad und Hauptdarsteller Odenkirk entfesseln, was man ein Actionfeuerwerk nennt, und reichern es mit politischer Relevanz an. Ein beißender Kommentar zur Gegenwart, Genrekino auf der Höhe der Zeit.
Im Jahr 2075 leben die Menschen unter Glasglocken, die sie vor Feuersbrünsten schützen. Hier landet eines Tages der Junge Arco, dessen Zeitreise aus einer para­diesischen Zukunft ungeplant verlief. Von seinem Versuch, wieder nach Hause zu kommen, und von der Unterstützung durch das Mädchen Iris erzählt dieser warmherzige, von Hoffnung erfüllte Animationsfilm.
In einem entlegenen Dorf in Nordmazedonien verliebt sich der Hirte Ahmet in Aya, die verheiratet werden soll. Sie kommt aus der Stadt und bringt moderne Ideen mit, die die patriarchale Struktur des kleinen Gemeinwesens herausfordern. Ahmet schließt sich mit Begeisterung an. Ein liebenswürdiger Film, dem es statt um Konfrontation um die Versöhnung von Gegensätzen zu tun ist. Wurde aber auch Zeit …
Anime-Meister Hosoda nimmt sich den »Hamlet«-Stoff vor, um eine Geschichte der Menschheitserlösung (Verzicht auf Rache!) daran beispielhaft durchzuexerzieren. Leider vergreift er sich dabei im Besteckkasten und holt den Holzhammer heraus. Schaut gut aus, will aber in allem zu viel und lässt das Publikum am Ende betäubt zurück. Gut gemeint, trotzdem daneben.
Das Model Masha und der Maler Misha – zwei einsame Seelen, die im Gegenüber ein ähnliches Sehnen erkennen und denen es gelingt, den Abgrund, der sie trennt, für eine Weile zu überbrücken. Behutsam beobachten Kremser und Peter die Annäherung ihrer Protagonist:innen. Die Bedeutung kreist um die starke Metapher der verletzlichen Schnecke, einer unwahrscheinlichen Existenz, die sich dennoch behauptet.
Nicht ganz ernstzunehmende Bestsellerverfilmung um eine Haushaltshilfe, die mit dem gutsituierten Paar, bei dem sie unterkommt, so manch unerquickliche Überraschung erlebt. Alle lügen wie gedruckt und machen einander etwas vor. Die Handlung schlägt die dazu passenden Haken – und am Ende war alles ganz anders. Dabei geht es drastisch und überspitzt gegen konsumistische Propaganda und überkommene Geschlechterrollen.
Aus dem Trojanischen Krieg kehrt Odysseus nicht als strahlender Held zurück, sondern als erschöpfter alter Mann, den nur sein Hund noch erkennt. Seine Frau und sein Sohn stehen unter gesellschaftlichem Druck, den Ehemann und Vater für tot zu erklären, denn Warten bedeutet auch Stagnation. Kein glamouröser Kostümschinken, vielmehr die nüchterne Konfrontation von zweierlei Trauma: das des Heimkehrers mit dem der Daheimgebliebenen.
Ben Leonberg wählt für seinen Horrorfilm die Perspektive seines Hundes und erzählt viel mehr als eine simple Gruselgeschichte. Formal wie inhaltlich ein Experiment, herausragend gelungen.
Luc Bessons Beitrag zum Dracula-Stoff legt den Schwerpunkt überraschend aufs Romantische. Die engagierten Hauptdarsteller gehen in die Vollen. Und nicht nur das Motiv der ewigen Liebe, sondern auch Fragen nach Seelenheil und Erlösung sorgen für thematische Vielfalt, gehen im Besson-üblichen Gewalt-Spektakel aber auch etwas unter.

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