Alexandra Seitz

Filmkritiken von Alexandra Seitz

Hausschwein Gunda und ihr ungefähres Dutzend Ferkel sind die Anker dieser in elegantem Schwarz-Weiß gefilmten Expedition ins Tierreich. Kossakovsky bringt uns dessen Bewohner auf nüchterne, doch neugierig-empathische Weise nahe, dabei hilft das Vertrauen seiner Protagonisten. Danach sieht das Fleisch auf dem Teller anders aus
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Dass Greta Thunberg nicht allein ist, zeigt dieser wichtige und informationsreiche Film, in dem die jungen Protagonist*innen zahlreicher weiterer klimaaktivistischer Bündnisse und Projekte zu Wort kommen und ihre Arbeit vorstellen. Über den etwas irrationalen Schnitt und die nervig optimistische Musik gilt es allerdings hinwegzusehen/hören
Herausragender Essayfilm, dessen Blick sich durch fremde Augen in eine bekannte Welt richtet. In zentralen Rollen: Stolze Moskowiter Straßenköter sowie deren mythische Urahnin und erster Hund im All, Laika. An der Peripherie: Der Mensch als Mad Scientist. Der Auftrag: Kritik an der Hybris
Ein abgeklärter Fernsehjournalist bekommt es mit Konkurrenz von ganz oben zu tun, als er sich in eine angehende Nonne verliebt. In seinem dritten Film erfindet Jan Schomburg das Genre RomCom zwar nicht neu, fügt ihm aber eine zwischen philosophisch und kreuzalbern changierende Rarität hinzu, die länger nachhallt als zunächst vermutet
Ein überbordendes Farb- und Formfeuerwerk, aus dem sich eine nicht minder prallvolle, in Mythen, Legenden und Märchen wurzelnde Erzählung schält. Sie handelt – vermittelt von Helden, Prinzessinnen und Drachen – vom Ursprung, von der ganzheitlichen Ordnung und von den Gefahren, die ihr drohen. »Sohn der weißen Stute« ist ein wiederentdecktes ungarisches Animationsjuwel aus den 1980ern
Ein aus schierer Geldnot übernommener Job als Totenwächter konfrontiert den von der chassidischen Glaubenspraxis abgefallenen Yakov mit seinen religiösen Wurzeln. Denn der unruhige Leichnam, über den er wachen soll, hat etwas im Schlepptau, das die einen Dämon und die anderen Schuld nennen. Ebenso ambitionierter wie geglückter Horrorfilm, der von Traumata und ihren Ursachen erzählt
Das Märchen über die beiden verstoßenen Geschwister wird hier aus einer Perspektive erzählt, die einen geänderten Zugriff auf dessen Subtext ermöglicht. »Gretel & Hänsel« ist ein erfreulich komplexer Genrebeitrag
Ein einsamer Mann in eisiger Weite sieht sich konfrontiert mit der Frage nach dem Sinn. Er bricht auf zu einer Reise, die von Beginn an auch eine metaphorische ist. Abel Ferraras Film »Siberia« reizt mit der Freiheit der Form und dem Mut seiner Gedanken
Ein Familiendrama, in dem ein Vater das Vatersein lernt, souverän inszeniert mit den visuellen Mitteln des Film noir; und im Zentrum Mark Waschke, der sich mitfühlend der Fehlbarkeit seiner Figur annimmt: »Der Geburtstag«
Die Geschichte dreier Schwestern, die aus der Stadt in ihr abgelegenes Heimatdorf in Zentralanatolien zurückkehren und so die Sorgen des Vaters vermehren. In raumzeitlicher Verdichtung und aus einer Reihe von Auseinandersetzungen und daraus resultierenden tragischen Ereignissen entsteht ein vielschichtiges Bild der sozialen Strukturen, familiären Beziehungen, gesellschaftlichen Verhältnisse. Ein Film wie ein russischer Roman

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