Alexandra Seitz

Filmkritiken von Alexandra Seitz

Rocky-Nachfolger Creed muss wieder in den Ring, als ein Geist aus der Vergangenheit seine Gegenwart aufstört. Ein Boxerfilm, der das Herz am rechten Fleck behält, auch wenn der etwas überambitionierte Regieneuling Jordan mitunter in den Seilen hängt. Sehenswert vor allem wegen der Schauspielerei von Jonathan Majors in der Rolle des Antagonisten.
Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Joachim Meyerhoff, in dem dieser seine Kindheit und Jugend auf dem Gelände einer von seinem Vater geleiteten Kinder- und Jugendpsychiatrie erinnert. Ein interessanter Stoff, allzu unaufgeregt in Szene gesetzt.
Adaption bzw. Remake eines schwedischen Erfolgsstoffes: Ein Grantscherben namens Otto, der eine kleine Siedlung mit seinem Ordnungswahn terrorisiert, sieht sich mit dem gut gelaunten Chaos seiner neuen Nachbarsfamilie konfrontiert. Bald spitzt am grauen Himmel die Sonne hervor und leuchtet – nicht zuletzt dank Tom Hanks in der Titelrolle – bis in die Herzen des Publikums.
Der sensible Tristan und die depressive Leyla sind miteinander nicht glücklich. Sie lassen sich auf ein Körpertausch-Experiment mit einem Ehepaar in der Krise ein. Die resultierende Wahrnehmungsdifferenz löst eine Reihe von Ereignissen aus, an deren Ende eine erlösende Erkenntnis steht. Kein Science-Fiction, ein melodramatisches Gedankenspiel.
Spionage-Action-Komödie, in der ein Team britischer Agenten dem verbrecherischen Treiben diverser Superreicher ein Ende macht. Die Schauplätze sind spektakulär, die Ausstattung ist erlesen und der Handlungsverlauf nicht wirklich wichtig. Popcorn-Kino mit bösem Witz, nicht zuletzt weil Hugh Grant mal wieder alle an die Wand spielt.
Ein Episodenfilm aus einer sehr fernen Gegend der Welt, in der es, zwischenmenschlich gesehen, auch nicht so viel anders zugeht als hier. Wodka und Gewehre gehen unheilige Allianzen ein, Hitzköpfigkeit und Sturheit tun ein übriges – gemeinsam ergeben sie ein tragikomisches Bild des Allgemeinmenschlichen, trocken-lakonisch dargeboten.
Az macht Jess einen Heiratsantrag, doch die lehnt ab. Was folgt, ist eine RomKom, die angriffslustig um genderspezifische Verhaltens-Klischees und kulturell determinierte Erwartungshaltungen kreist, dabei jedoch immer wieder in sattsam bekannten genretypischen Irrungen und Wirrungen stecken bleibt. Irgendwie couragiert, aber irgendwie auch langweilig.
Eine Rockoper, angesiedelt in Kyoto vor sechshundert Jahren; zwei Außenseiter, jeder für sich von einem Fluch geschlagen, erinnern in ihren Songs an die untergegangenen Krieger der Heike. Während die Flüche gelöst werden, entbrennt ein künstlerischer Konkurrenzkampf, auch um die Deutungshoheit über die Geschichte. Fulminanter Anime eines der innovativsten Vertreter dieser Kunst.
Ein abgehalfterter Schlagersänger, der in einem winterlich melancholischen Rimini ältere Damen beglückt, wird von seiner Vergangenheit eingeholt: Die nicht gekannte Tochter will den nicht geleisteten Unterhalt auf einen Schlag. Es könnte dies auch eine Chance sein und Richie Bravo kämpft um sie mit allen ihm zur Verfügung stehenden unfeinen Mitteln. Dank Hauptdarsteller Michael Thomas fällt das nicht nur trostlos aus, sondern vor allem herzergreifend.
Über fünf Jahre begleitet der selbst aus Rumänien gebürtige Filmemacher eine Gruppe von Roma, die regelmäßig zwischen ihrem Heimatdorf in den Subkarpaten und Hamburg pendelt, um dort zu betteln. Indem sie die Armen in Würde zeigt, richtet die formal unspektakuläre Dokumentation ihre Forderung nach Respekt auch an die Zuschauer. Eine wertvolle und wichtige Blick-Berichtigung.

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