Rave On

Während einer Clubnacht versucht ein ehemals gefeierter Producer seinem Idol seine neue Platte zu überreichen. Nikias Chryssos’ und Viktor Jakovleskis filmischer Ketamin­trip verwandelt das Kino mit formalem Wagemut in einen Club und verhandelt das Gefühl einer Szene zwischen Exzess, Eskapismus und Abgründen, zwischen gestern und heute, Vinyl und TikTok-Artists.

Primadonna or Nothing

Juliane Sauter hat ihren Dokumentarfilm der Sopranistin Renata Scotto gewidmet, die nach den Dreharbeiten im Alter von 89 Jahren starb. Die Verehrung für die rüstige Dame überschattet freilich nie die Ausstrahlung ihrer jüngeren Kolleginnen Angel Blue und Valerie Eickhoff, die ihren Beruf im je eigenen Spannungsfeld zwischen Hingabe und Zweifel ausüben. Ein überraschend leiser Opernfilm.

Monk in Pieces

Der Dokumentarfilm über die mittlerweile 82-jährige Künstlerin Meredith Monk erzählt von einem beeindruckend erfüllten Leben, und macht – trotz einiger Klischees über die gebeutelte »Künstlerseele« – die Verve und das Talent der interdisziplinären Performerin, Choreografin, Komponistin und Vogelstimmenfreundin deutlich.

Milch ins Feuer

Ein Sommer, drei Generationen von Bäuerinnen zwischen Melkmaschine, ­Heuernte, Lama-Kastration und Badesee: Das im besten Sinne widerspenstige Debüt thematisiert die Probleme der Landwirtschaft, ungewollte Schwangerschaften und einen pragmatischen Umgang mit der Nähe zur Natur in sinnlichen Bildern und mit authentischer Mundart und Besetzung.

Der Kuss des Grashüpfers

Elmar Imanovs bizarres Drama erzählt von einem Schriftsteller, der Abschied von seinem entfremdeten Vater nehmen muss. Doch das ist nur eine Ebene des Films, der mit surrealen Motiven, absurden Details und schrägem Humor einen faszinierenden Trip in Innenwelten unternimmt.

Hollywoodgate – Ein Jahr unter den Taliban

Rare, eindrückliche und trotz der restriktiven Umstände ihrer Herstellung höchst aufschlussreiche Einblicke in das Agieren führender Taliban nach deren Sieg in Afghanistan 2021.

Die guten und die besseren Tage

In dieser halbdokumentarischen Sozialkomödie werden alkoholsüchtige Frauen in einer Entzugsklinik porträtiert, ohne Larmoyanz und Moralisieren und mittels einer Stippvisite in die Wüste: ein weiterer französischer Erfolgsfilm über ein abtörnendes Thema.

Die Farben der Zeit

In Cédric Klapischs neuem Film wird ein Familienerbe durch Kunst und Abstammung weitergereicht. Schaulustig changiert er zwischen der Gegenwart und der Belle Époque, die sich beide ihrer Modernität rühmen. Er stellt konservative Fragen – und findet spielerisch dynamische Antworten.

Electric Child

Weil sein Sohn mit einem Gendefekt zur Welt kommt, der ihn das erste Lebensjahr kaum überleben lassen wird, füttert ein Informatiker seine in einem streng überwachten Hightechprojekt entwickelte KI mit den Daten des Jungen. Regisseur Simon Jaquemet verbindet Familiendrama mit Science-Fiction zu einem sehr aktuellen Film, der seinen komplexen Fragen nicht ganz gerecht wird, am Ende aber nachhallt.

Eine Million Sandkörnchen

Szenisch darstellen, was man nicht aussprechen kann: Im Dokumentarfilm von Andrea Deaglio stellt die Psychoanalytikerin Eva Pattis Zoja diesen Ansatz für Kinder in extremen sozialen Notsituationen vor. Thematisch unentschlossen, rückt der Film parallel die von der Analytikerin selbst erlebten familiären Traumata in den Vordergrund.

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