Kritik zu Supergirl

© Warner Bros. Pictures

2026
Original-Titel: 
Supergirl: Woman of Tomorrow
Filmstart in Deutschland: 
25.06.2026
L: 
107 Min
FSK: 
12

Der zweite Film des neuen DC-Universe setzt auf Supermans Cousine Supergirl alias Kara Zor-El und ein selbstermächtigtes, weibliches Teenagerpublikum

Bewertung: 4
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Mit jungen Leuten wird es im Weltall nicht langweilig. Auch dort vertreiben sie ihren Peers und Erziehungsberechtigten die Zeit durch Backfisch-Trubel: Spritztouren in stibitzten Raumschiffen, wie bei »Explorers«; Cliquenbildung inklusive Liebesdramen, wie in »Alien: Earth« und »Alien: Romulus«, oder aufmüpfiger Psychostress, wie in »Voyagers«.

Die spätadoleszente Kara Zor-El alias Supergirl (Milly Alcock) ist keine Ausnahme: Anstatt im blau-roten Minirockkostüm brav dem Wunsch ihres die Welt rettenden Onkels Clark alias Superman (David Corenswet) nachzukommen, besäuft sich die junge Frau lieber in sämtlichen Bars der Galaxis, vorzugsweise auf den Planeten der »Roten Zone«, in der Alkohol kryptonische Superkörper überhaupt zu betäuben vermag. Dabei trägt sie ein nach vielen popkulturell-kostümbildnerischen Überlegungen extra für den Film hergestelltes, übergroßes »Blondie«-T-Shirt: Supergirl ist nicht nur Tank Girl. Supergirl is brat.

Wenn die Kamera zu Anfang der neuen »Supergirl«-Adaption lustvoll durch Karas vermüllte Raumschiff-Chaosbude streift, in die sie sich nur zum Ausschlafen ihrer Rauschzustände zurückzieht, scheint der Konflikt vorprogrammiert: Jemand, der nur um sich selbst taumelt, hat kein Mitgefühl.

Doch neben dem klassischen juvenilen Rebellentum trägt das in den DC-Comics der 50er Jahre erstmals manifestierte Supergirl an einem Trauma. Anders als ihr Cousin erinnert sich Kara nämlich an ihre kryptonische Vergangenheit mit liebenden Eltern. Um aus dem verletzten Party Girl eine moralische Heldin zu machen, braucht es also nur die richtige Aufgabe. Die kommt in Form einer unerfahrenen, aber mutigen 13-jährigen Außerirdischen namens Ruthye (Eve Ridley) daher, die mithilfe von Karas Kräften Rache am gewiss nicht zufällig russisch klingenden Alien-Bösewicht Krem (Matthias Schoenaerts) üben will, der ihr die Familie nahm.

Es ist somit nicht die ungewöhnlichste Geschichte, die Craig Gillespie nach einem Drehbuch von Ana Nogueira für das DC-Universum inszeniert. Aber sie funktioniert. Anstatt sich darum zu scheren, was kritische Fans, Nerds und DC-KennerInnen erwarten, baut der Film sich eine eigene, in Ästhetik, Gewaltdarstellung und Soundtrack (unter anderem »Wet Leg«) ganz auf ein selbstermächtigtes, weibliches Teenagerpublikum ausgerichtete Welt, die (bislang – es wird weitere Filme geben) ohne Love Interest auskommt.

Das ist erholsam – und es schmust sich eh ebenso gut mit Supergirls freundlich hechelndem dog-in-crime »Krypto«, dessen CGI-Ursprung ihm nichts von seiner Niedlichkeit nimmt. Das Hündchen muss zunächst gar als Motivator hinhalten: Supergirl entscheidet sich erst dazu, Ruthye zu helfen, als sein Leben auf dem Spiel steht.

Die Kernaussage zur Weltlage und den Diskussionen um ihre Identität tätigt Kara in einem kleinen feministischen Seitenhieb: Wieso sie denn auf der Erde »Supergirl« genannt werde und ihr Cousin »Superman«, obwohl er doch nur wenig älter sei, will Ruthye wissen. »Don't get me started«, knurrt Kara und stapft wütend von dannen. Gegen Sexismus helfen scheinbar auch Superkräfte nur begrenzt.

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