DVD-Tipp: »Henry Fonda for President« (2024)

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Kino, Leben, Zeitgeschichte: Alexander Horwaths großartiger Essayfilm ist jetzt mit Bonusmaterial als DVD erschienen

Damit war nicht unbedingt zu rechnen gewesen: dass Alexander Horwaths Essayfilm nach seiner Premiere im »Forum«-Programm der Berlinale 2024 ein Nachleben außerhalb von Filmfestivals und Sondervorführungen haben würde. Zu oft haben sich da Inhaber der Rechte an den verwendeten Filmausschnitten quergestellt. Die 52-minütige Kurzfassung des Drei-Stunden-Films, die »arte« ausstrahlte, war alles an physischem Produkt, das der Cineast, im Besitz eines Aufnahmegeräts, erhoffen konnte.

Doch dann fand der Film, was bei filmhistorischen Dokumentationen selten genug ist, nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland einen Kinoverleih und ist jetzt als DVD erschienen. Möglich war das aufgrund des Zitatrechts, die Kommentierung der Filmszenen lässt den wissenschaftlichen Charakter dieser Arbeit klar erkennen.

Die derzeitige Situation in den USA hat ihn nicht uninteressanter gemacht, im Gegenteil: Die von Henry Fonda auf der Leinwand mit Integrität und Würde verkörperten realen und fiktiven Präsidenten der USA erscheinen nun als noch größerer Kontrast zum jetzigen Amtsinhaber, die Kluft zwischen der Wirklichkeit und dem Traum- und Wunschbild, das Hollywood von der eigenen Nation zeichnet, noch gewaltiger.

Erfreulich ist auch, dass der Film für diese Veröffentlichung mit Bonusmaterial angereichert wurde. Auf einer zweiten DVD finden sich zwei lange Gespräche mit Alexander Horwath, beide entstanden Ende 2025. Das erste zwischen ihm und dem amerikanischen Filmkritiker und Filmemacher Kent Jones (66 Min.) beschäftigt sich vor allem mit Fonda, darunter der Rolle, die John Ford für ihn spielte, aber auch seinen »dunklen Seiten« als Mensch. Es geht aber auch um das Selbstbild, das Amerika in seinen Filmen von sich entwirft, ebenso um das Amerikabild von außen (etwa in Peter Handkes Roman »Der kurze Brief zum langen Abschied« oder dem »Kinks«-Song »Muswell Hillbillies«). Das zweite ist die Aufzeichnung einer Veranstaltung in der Berliner Akademie der Künste nach einer Vorführung des Films. Moderiert von Cornelia Klauß sprechen Alexander Horwath und Christian Petzold (mittlerweile auch Präsident der Viennale) über ihre Faszination für Henry Fonda – beide hatten, als sie sich vor 25 Jahren kennenlernten, ein Foto über ihrem Schreibtisch, das Fonda in »My Darling Clementine« beim Balancieren auf seinem Stuhl zeigt, wie sich Petzold erinnert. Sie sprechen über das »Dreamlife« (Petzold, nach Norman Mailer) beziehungsweise »die Imaginationen der Menschen« (Horwath), die etwa die Kennedys im Weißen Haus mit der Sagenwelt von Camelot verglichen. Horwath gibt Auskünfte zu seiner Arbeitsmethode und zu den Schauplätzen, die er ausgewählt hat. Eine Wertschätzung des amerikanischen Genrefilms mündet in der Feststellung: »Wir waren durch das amerikanische Kino gut vorbereitet auf die amerikanische Wirklichkeit.«

Ein zwölfseitiges Booklet enthält einen Text von Horwath und zwei deutsche Kritiken, erschienen zum Kinostart.

Die DVD ist ohne Regionalcode, kann also weltweit überall abgespielt werden, der deutschsprachige Erzähltext kann mit englischen Untertiteln gesehen werden, die englischsprachigen Filmausschnitte mit deutschen (und alles mit italienischen). Auf Nachfrage war von Alexander Horwath zu erfahren, dass der amerikanische Verleih für den Herbst eine Blu-ray-Veröffentlichung mit einem ausführlicheren Booklet plant und auch in Frankreich eine eigenständige in Vorbereitung ist.

 

 

VÖ: 19. Juni 2026

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