Kritik zu Tatsächlich... Liebe

englisch © Universal Pictures

Weihnachtskomödie mit Star-Ensemble

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»Christmas is all around us«, nölt der gealterte Rocksänger Billy ins Mikro und lässt beim Radiointerview keinen Zweifel daran, wie schauderhaft es ist, sein Comeback mit dem Verhunzen des Schlagers »Love is all around us« zu beginnen. Wie einen Schutzpanzer trägt er seine sarkastische Unleidlichkeit vor sich her, und natürlich klettert der Coversong gerade deshalb an die Spitze der Hitparade. Die Masche ironischer Maskerade funktioniert fast immer in dieser Weihnachts- und Ensemblekomödie, in der sich 22 Menschen in Liebeswirren verstricken, ohne dass ein einziges Mal der Satz »Ich liebe dich« fällt. Als ein Triumph der Bejahung durch Verneinung präsentiert sich diese Leistungsshow britischen Humors und mehrheitlich britischer Darsteller, als meist virtuoses und herrlich amüsantes Umgehen von Gefühlsausbrüchen: ein Wildwuchs romantischer Konstellationen, die trotz aller eigentlichen Vorhersehbarkeit durch witzig-absurde Details überraschen.

An vorderster Front steht eine Handvoll Stars in Rollen, die ihnen Regisseur Richard Curtis auf den Leib geschrieben hat: Hugh Grant spielt mit gewohnt schüchtern-zerstreutem Charme den neuen, ledigen Premierminister, der sich, kaum eingezogen in Downing Street, in die pummelige Hausangestellte verliebt, die so zwanghaft in einem mit Unflat gespickten Cockney-Akzent losplappert als leide sie an einer leichten Form von Tourrette-Syndrom. Emma Thompson als herb-verblühte Ehefrau und Mutter überspielt mit »stiff upper lip« und rührender Contenance die Entdeckung, dass ihr Mann (Alan Rickman) einen Seitensprung mit seiner Sekretärin – Heike Makatsch als manipulatives Biest – in Erwägung zieht. Colin Firth als gehörnter Krimiautor verliebt sich beim Urlaub in Südfrankreich in seine portugiesische Putzfrau, die kein Wort englisch versteht. Liam Neeson als Witwer versucht, mit seinem Stiefsohn warm zu werden, der seinerseits für das coolste Mädchen seiner Klasse schwärmt. Laura Linney als verklemmte Büroangestellte traut sich, ihren Kollegen anzusprechen, Keira Knightley (»Der Fluch der Karibik«). frisch verheiratet, merkt , dass der beste Freund ihres Mannes ihr nicht etwa deshalb aus dem Weg geht, weil er sie nicht ausstehen kann.

Gelegentlich gehen Regisseur Richard Curtis, der als Drehbuchautor seinen Witz an der Komödie »Vier Hochzeiten und ein Todesfall« und der TV-Serie »Black Adder« geschärft hat (Rowan Atkinson haspelt sich als beiläufiger Running Gag durch die Episoden), die Gäule durch; einige klamottige Szenen bremsen das Zuschauergelächter, das sich aber schnell wieder im Drei-Minutentakt einpendelt. Nett anzusehen sind die Schauplätze im behaglichen Milieu der gehobenen Mittelklasse, und nett anzuhören ist die Musik von den Beatles bis zu den Bay City Rollers. Dabei kommt nicht nur die erotische Liebe zu ihrem Recht, sondern auch Sympathie und Freundschaft – und dass mancher Topf doch nicht seinen Deckel findet, verleiht dieser im Grunde konservativen Weihnachtskomödie, die nichts anderes als ein schön dekoriertes und gekonnt abgeschmecktes Resteessen ist, die nötige Bitterkeit.

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