Kritik zu Sommer auf Asphalt
Mala Emde und Christoph Maria Herbst glänzen in dem Film von Simon Ostermann über eine Tochter-Vater-Beziehung – und Wendepunkte im Leben.
Im Straßenbild unserer Großstädte sind die traditionellen Fahrradkuriere längst abgelöst von den Fahrern der Essen-Lieferdienste auf zwei Rädern mit ihren riesigen Rucksäcken und ebenso großen Packtaschen. Aber es gibt sie noch. Fahrräder waren im Kino von Anfang an ein Symbol nicht nur für Geschwindigkeit, sondern auch für Unstetheit, man denke nur an den Anfang von »Kuhle Wampe« aus den frühen dreißiger Jahren. Auch das Leben von Fahrradkurierin Les (Mala Emde) scheint sich noch in eher provisorischen Bahnen zu bewegen. Und dass eines Tages ihr Vater Bert (Christoph Maria Herbst), ein Friseur aus der Provinz, unangemeldet vor ihrer Tür steht, bringt ihr Konzept des, nun, schnellen Lebens gehörig ins Wanken. Obwohl der Vater beteuert, dass er nicht so lange bleiben will...
Beide haben ihre Geheimnisse: Les, eigentlich lesbisch orientiert, ist ungewollt schwanger von ihrem Kollegen Tyler (Aaron Hilmer), den weder sie sich noch wir Zuschauer uns als Vater vorstellen können. Und Bert will seiner Tochter eigentlich mitteilen, dass er an einem wahrscheinlich unheilbaren Hirntumor leidet. Aber als Les sich bei einem Unfall verletzt, übernimmt Bert ihren Job. Was den langhaarigen und kiffenden Chef der »Pedal-Piloten« erst mal irritiert (»Wie alt bist du denn? 80?«). Aber Bert heizt mit Inbrunst durch die Straßen Hamburgs. Bis er im Foyer eines Kunden mit einem epileptischen Anfall zusammenbricht. Hinter dem sein Tumor steckt.
Man merkt die Herkunft dieses Projekts aus jenem Fernsehbereich, in dem ein Film vorher noch einmal einen Kino- und Festivalstart bekommt. Probleme en masse und alle paar Minuten eine neue Überraschung und Wendung – damit niemand vor der Mattscheibe vorzeitig abschaltet. Les’ Freundin etwa ist nicht nur ihr zugetan, und dann gibt es noch – in der zweiten Filmhälfte – die Konfrontation mit der von Bert getrennt lebenden Mutter (Jenny Schily), einer erfolgreichen Schriftstellerin.
Dennoch funktioniert »Sommer auf Asphalt« und wirkt trotz aller Konstruiertheit nie allzu aufdringlich und trotz aller Melodramatik angenehm entspannt. Das liegt zum einen an dem großartigen Tochter-Vater-Paar. Mala Emde nimmt man die quirlige und bärbeißige Fahrradkurierin, die an ihrem Beruf hängt, durchaus ab. Und Christoph Maria Herbst agiert in diesem Film so zurückgenommen wie schon lange nicht mehr, ohne schauspielerische Mätzchen und mit einer gehörigen Portion stoischer Haltung. Vielleicht kauft man ihm den Friseur nicht so ganz ab, den hilflosen Vater und Todkranken schon. Regisseur Simon Ostermann (der mit Mala Emde bereits die Serie »Oh Hell« drehte) versteht sich auf witzig-lakonische Situationen; ein kleines Kabinettstückchen sind etwa die Sprechstunden mit dem immer lächelnden Onkologen (Moritz Führmann). Und Ostermann gelingen auch die Momente des Schweigens und des Unausgesprochenen, denen wir anmerken, dass sie in dieser Familie eine lange Vergangenheit haben.




Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns