Kritik zu Motherless Brooklyn

© Warner Bros. Pictures

In seiner zweiten Regiearbeit nach »Glauben ist alles!« vor fast 20 Jahren adaptiert Edward Norton die New-York-Noir-Hommage von Jonathan Lethem

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Der nachdenkende Kinokenner weiß, dass ein Film noir nicht nur von den Abenteuern hartgesottener Detektive handelt, sondern dass seine Spannung von größeren Themen wie Korruption und Städtebau bestimmt wird. Umgekehrt wird nicht immer ein Schuh draus: um von jener real existierenden Vermengung von Korruption und Stadtplanung zu erzählen, wie sie etwa die Geschichte New Yorks ausmacht, greift das Noir-Genre nicht unbedingt weit genug. Edward Nortons »Motherless Brooklyn« belegt irgendwie beides: Man begreift, warum Norton die Buchvorlage, Jonathan Lethems Genre-Hommage, von 1999 in die 50er Jahre zurückversetzt: Seine Detektive mit ihren ­Fedora-Hüten sollen sich nicht ganz so poserhaft ironisch vorkommen. Aber gleichzeitig reduziert er dadurch auch sein eigentliches Vorhaben, nämlich den strukturellen Rassismus einer Stadtplanung anzuprangern, die unter dem Vorwand, Slums durch Parks zu ersetzen, Nachbarschaften zerstört und Menschen in die Obdachlosigkeit treibt.

So bleibt von all den wahren Fakten, die Norton in seinen Film um den vom Tourette-Syndrom befallenen Detektiv Lionel (Norton) vorkommen lässt, nur einer wirklich im Kopf stecken: Tatsächlich gibt es in New York Straßenbrücken, die absichtlich niedrig gebaut wurden, um zu verhindern, dass Busse des öffentlichen Nahverkehrs darunter fahren und autolose, vorwiegend farbige Stadtbewohner in bestimmte Viertel und Parks hätten bringen können. Alec Baldwin spielt Moses Randolph, den großen bösen Stadtplaner, der dafür verantwortlich ist und dem wahren Robert Moses nachempfunden wurde. Es ist nicht die einzige Schandtat, die ihm das Drehbuch andichtet und die Lionel nach und nach zwischen Jazzbars und mülltonnenbestückten, dampfumwehten Hintergassen aufdeckt. Am Ende läuft alles etwas simpel auf die Rettung einer »Damsel in distress« hinaus. Aber mit einem Ensemble, dass außer Baldwin auch noch Bruce Willis, Willem Dafoe, Gugu Mbatha-Raw, Bobby Cannavale, Cherry Jones und Michael Kenneth Williams einschließt, bietet »Motherless Brooklyn« auch so genug Schauwert.

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