Kritik zu Kursk

© Wild Bunch

Vieles ist Spekulation: Thomas Vinterberg schildert das menschliche Drama hinter dem Unfall des russischen Atom-U-Boots im Jahr 2000

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Eine Gruppe von Menschen an einem unerreichbaren Ort, sei es in einer Grube tief unter der Erdoberfläche oder in der Tiefe des Meeres, das beflügelt die Fantasie und die Angst: Genau kann niemand wissen, was sich in den sieben Tagen nach einer doppelten Atomexplosion in einer geschlossenen Kammer des auf dem Grund der Barentssee gestrandeten russischen Atom-U-Boots Kursk unter den wenigen Überlebenden abgespielt hat. Doch in der Literatur und im Kino lassen sich, basierend auf akribisch gesammelten Forschungsergebnissen, mit ein bisschen Fantasie viele Lücken füllen.

Ein klaustrophobisches U-Boot voller Männer, dazu noch Action in der Tiefe des Meeres, das ist auf den ersten Blick kein Stoff, den man mit dem dänischen Regisseur Thomas Vinterberg verbindet, der in erster Linie für intime Familien- und Beziehungsgeschichten wie »Das Fest«, »Submarino« oder zuletzt »Die Kommune« bekannt ist. In der Tat wurde der Stoff von außen an ihn herangetragen, von dem Schauspieler Matthias Schoenaerts, mit dem er bereits in »Am grünen Rand der Welt« zusammengearbeitet hat, und von Luc Bessons Europacorp. Dabei zielt Vinterberg nicht auf den politischen Skandal ab, auf die Tatsache, dass die Russen damals versucht haben, den Vorfall zu vertuschen und die angebotene Hilfe aus Frankreich, England und Norwegen ausgeschlagen haben, in der Bereitschaft, aus nationalem Stolz das Leben ihrer Marinemänner zu opfern. Stattdessen destilliert er auch aus dieser Geschichte die menschlichen Dimensionen, indem er den Blick erweitert auf die wartenden und bangenden Frauen und Kinder. So haben Vinterberg und der Drehbuchautor Robert Rodat (»Saving Private Ryan«) eine familiäre Liebesgeschichte dazu erfunden, mit Léa Seydoux als hochschwangerer Mutter eines kleinen Jungen. In ihren mal bangen, mal verschlossenen, mal wütenden Gesichtern spiegelt sich das ganze Drama der Kursk-Besatzung.

Schwer zu sagen, ob es an den vielen Widersprüchen im realen Ablauf der Ereignisse liegt oder an einer recht leidenschaftslosen Inszenierung, jedenfalls entfaltet sich die Geschichte eher holprig, im rastlosen Wechsel zwischen oben und unten, zwischen dem U-Boot der Männer und den Privatwohnungen der Familien, zwischen den militärischen und den politischen Kommandozentralen und verschiedenen, im U-Boot breiten, an Land engen Filmformaten. In der unübersichtlichen Fülle von Schauplätzen und Gesichtern verliert sich der Erzählfaden. In der illustren Gesellschaft internationaler Schauspieler gehen selbst prägnante Persönlichkeiten wie Max von Sydow, Colin Firth, August Diehl, Matthias Schweighöfer, Peter Simonischek, Léa Seydoux, Pernilla August und Martin Brambach unter, kaum jemanden lernt man etwas näher kennen. Dazu kommen dann noch die quälend langen Wartezeiten, in denen der nächste klägliche Rettungsversuch von maroden Gerätschaften, nicht ausreichend aufgeladenen Batterien oder umständlichen Verhandlungen verzögert wird.

Meinung zum Thema

Kommentare

Ich fand den Film durchaus sehenswert, da mit der Kursk ein brisantes Thema aufgegriffen wurde. Es zeigt prägnant, was passiert, wenn Nationen in Eigenmacht verfallen und sich nicht von anderen helfen lassen wollen. Am Ende sind die einfachen Bürger das Opfer vom politischen Ränkespiel. Dies wurde hier eindrucksvoll vorgeführt und machte gerade auch durch das sehr dramatische und traurig stimmende Ende nachdenklich.

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