Kritik zu Das geheime Leben der Bäume

© Constantin Film

2019
Original-Titel: 
Das geheime Leben der Bäume
Filmstart in Deutschland: 
23.01.2020
Sch: 
L: 
96 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Jörg Adolph porträtiert den Bestsellerautor und Förster Peter Wohlleben und illustriert dazu ein paar seiner zentralen Thesen zum Wald als Kommunikationsnetzwerk

Bewertung: 4
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Peter Wohllebens Buch »Das geheime Leben der Bäume« führte nach seinem Erscheinen 2015 über Monate die Bestsellerlisten an und knackte 2018 sogar die Millionenmarke. Solche Zahlen wecken natürlich auch im Filmgeschäft merkantile Instinkte. Im Hause Constantin pflegt man seit jeher ein ausgeprägtes Appetenzverhalten, wenn es um Bestsellerverfilmungen geht. Von »Im Namen der Rose« über »Das Parfüm« bis zu »Er ist wieder da« schreckt man hier vor keiner Herausforderung zurück. Aber wie um alles in der Welt will man ein Buch verfilmen, in dem seitenweise über Wurzelsysteme als biologischem Kommunikationsnetzwerk oder über das Sozialverhalten von Bäumen doziert wird? Natürlich ist ein schöner Wald eine fotogene Angelegenheit.

Bäumen, die sich nicht vom Fleck bewegen können, fehlt es trotzdem an kinetischer Energie, um auf der Leinwand als publikumswirksame Protagonisten zu reüssieren. Regisseur Jörg Adolph (»Elternschule«) begegnet dem Dilemma mit einer Doppelstrategie, indem er die Naturdokumentation mit einem Porträt des Buchautors verbindet. Dieser Peter Wohlleben aus Hümmel in der Eifel ist nämlich nicht nur Förster und Autor, sondern durch den Erfolg seines Werkes auch eine beliebte Medienpersönlichkeit. Gleich zu Beginn werden die zahllosen Talkshow-Auftritte gegeneinander geschnitten und ein Moderator bescheinigt dem Gast, dass er einer sei, den man gern zum Grillen einladen möchte. Auch der Film zeigt Wohlleben als zugänglichen und unprätentiösen Menschen, der kein Blatt vor den Mund nimmt, weder in Podiumsdiskussionen noch wenn er eine koreanische Delegation durch den Eifeler Forst führt oder eine Kindergruppe dazu anleitet, im Wald laut herumzuschreien. Außerdem nutzt er die eigene Popularität, um Naturschutzgruppen in Polen, Demonstranten im Hambacher Forst oder ein indigenes Waldprojekt auf Vancouver Island zu unterstützen.

Adolph zeigt seinen Protagonisten aber nicht nur als politischen Aktivisten, sondern vor allem auch als fachkundigen Waldführer, der durch den Urwald der »Heiligen Hallen« in Mecklenburg wandert und den Unterschied zur konventionellen Waldplantage erklärt. Immer wieder beschwört Wohlleben die Selbsterneuerungsfähigkeit des Waldes (»Wer pflanzt, ist doof«) – das gilt sogar für die niedergebrannten Waldflächen in Treuenbrietzen, wo das verkohlte Holz einen idealen Humusgrund für einen Neuanfang bildet. Parallel dazu zitiert der Film zentrale Passagen des Buches über das Sozialverhalten der Bäume, die mit erlesenen Naturaufnahmen von Jan Haft (»Das grüne Wunder«) visualisiert werden. Vor allem die Zeitraffersequenzen, in denen die langsamen Entwicklungsprozesse eines Baumes verdichtet werden, sind ein echter Hingucker.

Adolphs Sachbuchdokumentation sucht den Einklang zwischen persönlichem Porträt, spektakulären Naturaufnahmen und politischen Statements und wandert damit auch ein wenig auf den Spuren engagierter Dokfilme wie Erwin Wagenhofers »We Feed the World«, ohne ganz deren analytische Tiefe zu erreichen.

Meinung zum Thema

Kommentare

"Das geheime Leben von Peter Wohlleben" dieser Titel würde m. E. besser zu diesem Film passen - am Schluss des Films sehen wir den Buchautor sogar noch träumend in seiner Badewanne! Fazit: zu viel Personenkult und zu wenig Wald.

Ich stimme der Kritik von Harald voll zu. Reiner Personen Kult, dafür wurden die im Buch so interessant dargestellten Informationen nur angerissen. Sehr enttäuschend.

In diesem Film gehts nur um Peter Wohlleben und seine Reisen das hat nichts mit dem Titel zutun sehr enttäuschend schade

Es bleibt einem ja nur das Träumen, denn es tut sich ja nichts. Wieder so typisch sich an Kleinigkeiten aufzuhalten, statt von dem Wissen zu profitieren, das in diesem Film steckt und endlich mal zu handeln! Es sollen immer noch Wälder abgeholzt werden, für ein Logistikzentrum bei Hamburg und für Tesler bei Brandenburg. Wir begreifen noch nichts, es ist unfassbar. Selbst die Trockenheit ist ein Ergebnis der Abholzung. Die Erde ist ein Wesen, sie liebt uns, aber sie braucht uns nicht. EARTH, setzt mal das H nach vorne! Genau das haben wir verloren, sonst würden wir aufhören, JETZT! Deshalb finde ich diese Diskussion unnötig, da gibt es wichtigere Dinge, die zu tun sind!

Liebe Bärbel E.,
mag sein, dass der Film esoterisch eingestellte Menschen beeindruckt hat - mich, seit 46 Jahren Mitglied im BUND Naturschutz, jedenfalls nicht - mit Ausnahme der grandiosen Naturaufnahmen von Jan Haft. Herr Wohlleben erweckt den Eindruck, als wäre er quasi der Erfinder der ökologischen Waldbewirtschaftung und verschweigt dabei, dass es bereits vor 50 Jahren visionäre Naturwaldprotagonisten wie Dr. Bernhard Grizmek, den leidenschaftlichen Journalisten Horst Stern, den langjährigen BN-Vorsitzenden Hubert Weinzierl oder den Leiter des ersten deutschen Nationalparks (gegründet 1970!) in Deutschland, Dr. Hans Bibelriether uvm., gab. Dies zu verschweigen halte ich für intellektuell unredlich.

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