Kritik zu Avengers: Endgame

© Walt Disney

Der 22. Film der »Marvel Cinematic Universe«-Reihe funktioniert als stolze Leistungsschau auf das Erbrachte: eine Welt voller unterschiedlich sympathischer Helden geschaffen zu haben, die sich endlos kombinieren lassen

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Als Marvel 2014 seinen Plan für »Phase 3« der Superheldenfilme vorstellte, legte sich bei so manchem Filmkritiker ein Schatten aufs Gemüt. Die Aussicht auf immer noch weitere Helden mit besonderer Begabung, die ihre eigene »Origin Story« bekommen, nur um dann in wechselnden Konstellationen in weiteren Filmen aufeinanderzutreffen, mal in Feindschaft, mal in Freundschaft, aber immer im gleichen »Cinematic Universe« – sagen wir so: Man hat das nicht gerade als aufregend empfunden. Fünf Jahre und zwölf Filme später ist die Stimmung eine ganz andere. Nicht nur, dass »Avengers: Endgame« vom Start weg als Kinoereignis gefeiert wurde (und auf dem besten Weg ist, alle Kassenrekorde zu schlagen), er wurde auch gut bis sehr gut besprochen. Wobei die Leistung von Kevin Feige als dem Chefproduzenten der Marvel-Comicbook-Umsetzungen nicht nur im beachtlichen kommerziellen Erfolg der Filmserie besteht, tatsächlich hat er es geschafft, den so fesselnd zwischen spielerisch und pathetisch schillernden Geist der Vorlagen ins Kino zu bringen. Nicht als Einzelverfilmung, die mal mehr, mal weniger gut den Ton trifft, sondern als eigene filmische Kultur. Oder eben: »Cinematic Universe«.

So muss man zwar nicht alle 21 Filme gesehen haben, die vor »Avengers: Endgame«, angefangen mit »Iron Man« (2008), kamen, aber eine gewisse Vertrautheit mit dem »Universe« ist Voraussetzung, will man den Film genießen. Denn die besten Stellen kann man nicht erfassen, wenn man nichts über den Zwist zwischen Captain America und Iron Man weiß, nie kapiert hat, weshalb nur Thor seinen Hammer heben kann, oder einem der Name »Hydra« nichts sagt. Als Einstieg ins MCU eignet sich »Avengers: Endgame« also nicht. Andererseits darf sich endlich belohnt fühlen, wer auch ödere Marvel-Werke wie »Thor: The Dark World«, »Ant-Man and the Wasp« oder »Age of Ultron« durchgesessen hat: Die entsprechenden Anspielungen in »Endgame« verschönern die Erinnerung. Wobei das Beste daran ist, dass es nie um raffinierte Hinweise geht, die man entschlüsseln müsste, um dem Plot beizukommen – vielmehr geht Wohlgefühl vom reinen Dabeigewesensein aus. Was hat man doch schon alles mitgemacht, mit Tony, Natascha, Clint und Bucky und all den anderen.

Denn die »Infinity Stones« und die Handlung, die sich um sie spinnt, sind letztlich völlig belanglos. Dass sie in »Avengers: Endgame« zu Ende geht, ist eher Nebensache. Vielmehr bildet der Film über seine gesamten drei Stunden hinweg eine Art Einweihungsfeier ab: Das Universum ist geschaffen, schaut her, mit welcher Leichtigkeit sich unsere durchweg sympathischen Helden darin bewegen, nicht nur zwischen Wakanda und Neu-Asgardien, sondern auch zwischen den verschiedenen »Timelines«. Die Beweglichkeit zeigt sich vor allem auch im Emotionalen: Mit großer Eleganz wechselt der Film den Ton von depressiv zu kämpferisch, von Pathos zum Witz, von romantischen Anflügen zu Trauer und Versöhnung. Am Ende hat man weniger das Gefühl, einen Film gesehen zu haben, als vielmehr Stunden im Vergnügungspark verbracht zu haben,  aber das muss die Freude daran nicht schmälern.

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