Kritik zu Ant-Man and the Wasp

© Walt Disney

Alles eine Nummer kleiner: Es geht einmal nicht um die Rettung des Universums. Ansprechend konstruiert und inszeniert, ist die Bescheidenheit zugleich Vorzug und Nachteil der Marvel-Serie über Paul Rudds Ameisenmann

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Kein Monat ohne Superhelden! Nach dem großen Knall am Ende von »Avengers: Infinity War« macht Marvel weiter mit »Ant-Man and the Wasp«, als wäre nichts gewesen. Beim »Ant-Man«-Franchise haben die Marvel-Produzenten genau einen Trumpf im Ärmel: Dabei handelt es sich nicht um Hauptdarsteller Paul Rudd, einen der nichtssagenderen Schauspieler des Marvel-Universums; auch die Mythologie um den Ameisenmann im roten Kostüm kann nicht mit Thor, Black Panther und Co mithalten; im Gesamtzusammenhang der großen Avengers-Erzählung spielt Ant-Man ebenfalls eine eher geringe Rolle. Das Gimmick, das auch diesen neuen Marvel-Film zumindest auf großer Leinwand wieder sehenswert macht, sind die spektakulären Effekte und Actionsequenzen, die sich aus der Fähigkeit des Schrumpfens und Wachsens ergeben, mit der Wissenschaftler Dr. Pym (Michael Douglas) die titelgebenden Superhelden Ant-Man (Rudd) und Wasp (Evangeline Lilly) ausgestattet hat.

Dieses Talent nutzt der Film visuell absolut großartig aus, sowohl in halsbrecherischen Kampfszenen als auch in einigen gelungen Slapstick-Momenten. Da wären etwa eine Verfolgungsjagd im Spielzeugauto oder ein Besuch auf der mikroskopischen Ebene, bei dem unsere Helden von bösartigen Amöben angegriffen werden. Das alles macht großen Spaß und könnte einen locker-leichten, 80-minütigen Film hervorragend tragen – leider torpedieren nicht weniger als fünf Drehbuchautoren dieses unschuldige Vergnügen mit einer Story, die es irgendwie schafft, gleichzeitig komplett belanglos und penetrant zu sein und die den Film auf zwei Stunden aufbläst. Es geht darum, Dr. Pyms Frau Janet (Michelle Pfeiffer) aus der »Nano-Dimension« zu retten, einer Superheldin (oder -schurkin?) namens Ghost (Hannah John-Kamen) zu helfen und dem  Bösewicht Sonny Burch (Walton Goggins) ein Schnippchen zu schlagen. Man vergisst das alles aber im Grunde, noch während man es sieht.

Michael Peña als schnell sprechender Ex-Knacki-Sidekick sorgt dabei zumindest für einige gelungene Späße; ansonsten versucht der Film, aus der immer gleichen Konstellation Humor zu beziehen: Dr. Pym erklärt etwas mit komplizierten Wissenschaftsbegriffen, Ant-Man kommentiert lakonisch. Viele Plotelemente, etwa eine alte Fehde zwischen Douglas' Figur und einem anderen Wissenschaftler (Lawrence Fishburne) oder die umständliche Nebenhandlung um Michelle Pfeiffer in ihrer Parallelwelt, wirken unausgereifter als vieles, was man bisher im Marvel-Universum gesehen hat. 

So erscheint »Ant-Man and the Wasp« ein wenig wie ein müder Nachhall des Bombastspektakels »Infinity War« – an welches hier nach dem Abspann natürlich auch noch angeschlossen werden muss. Gehen dem Marvel-Team um Produzent Kevin Feige langsam die Ideen dafür aus, auf welche Abenteuer sie die Mitglieder ihres Helden­olymps noch schicken können? Mag sein, aber solange diese zumindest noch so ansprechend konstruiert sind wie hier, wird sich weiter ein Millionenpublikum finden.

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