Kritik zu Iron Man

Trailer englisch © Marvel

Marvel-Adaptionen wie »Spider-Man« haben seit 1998 fast fünf Milliarden Dollar eingespielt. Nun versucht Regisseur Jon Favreau mit »Iron Man«, verkörpert von Robert Downey Jr., sein Glück

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In der Filmwelt der Superhelden wird es allmählich unübersichtlich. Es gibt Netzschwinger, lebende Fackeln, Eis- und Sandmänner. »Thor« und »Captain America« kommen demnächst hinzu. Sie beherrschen das Wetter, den Magnetismus und haben PSI-Kräfte. Die aus dem Jahr 1963 stammende Figur des Iron Man ist als einziger Superhero kein Mutant, der seine Kräfte einem Spinnenbiss oder einer Überdosis Radioaktivität verdankt.

Inspiriert von dem US-Milliardär Howard Hughes, ist »Der Eiserne«, wie die deutsche Comicfassung hieß, buchstäblich ein Self­made(Super-)man. Dabei hat er ein schwaches Herz und könnte den namensgleichen Triathlon-Wettbewerb bestimmt nicht durchstehen. Angeblich erhielt keine andere Marvel-Figur mehr weibliche Fanpost.

Im Film, dem ersten, den die Firma Marvel selbst produziert hat (im Sommer folgt ein neuer »Hulk«), ist Iron Man alias Tony Stark Besitzer und Chefentwickler des größten amerikanischen Rüstungskonzerns. Frieden schaffen mit Me­gawaffen gehört für diesen arroganten Playboytypen zu den amerikanischen Tugenden wie Cheeseburger und Wagenradpizza. Doch als er mit dem Whiskyglas in der Hand mal eben nach Afghanistan jettet, um den dort stationierten US-Truppen seine neueste Waffe vorzuführen, gerät er in einen Anschlag und wird von afghanischen Terroristen in eine Berghöhle entführt.

Obwohl Jon Favreau (»Buddy – Der Weihnachtself«) sich eng an die Vorlage hält – in der Stark in Vietnam entführt wird – erscheint das für die Figurenzeichnung wichtige Intro nicht ganz plausibel. Die Terroristen haben aus Starks Fabrik stammende Marschflugkörper erbeutet und zwingen ihn nun, daraus eine Superwaffe zu bauen. Doch unter den Augen seiner Bewacher bastelt Stark sich aus dem Missile-Schrott einen raketenbetriebenen Gladiatorenanzug, mit dem er die als tumbe Killer dargestellten Afghanen aufmischt.

Für das zentrale filmische Motiv der Verschmelzung von High- und Lowtech findet der Film nicht immer originelle Bilder. Gelegentlich nur blitzt das Heavy-Metal-Gefühl auf, wenn Stark mit Schrauben und Muttern Backgammon spielt oder sich von einem Liebes­abenteuer erholt, indem er zärtlich über einen demontierten Zylinderkopf streicht. Obwohl im Detail nicht unwitzig, fehlt dem Film insgesamt die Eleganz und die Selbstironie von »X-Men« oder »Hulk«.

Wie Kollege Spider-Man hadert auch der Eiserne mit seiner Bestimmung. Als Stark nach gelungener Flucht heimkehrt, erfährt er, dass seine Waffen in Krisengebiete verschoben werden. Das darf natürlich nicht sein. Also rüstet er sich endgültig zum Superhelden auf, um seine Raketen wieder einzusammeln. Diese Anspielung auf die amerikanische Außenpolitik und ihren Umgang mit »Schurkenstaaten« ist eher unfreiwillig komisch. Außerdem ist diese Schleife eingebettet in eine dramaturgisch unkluge Verdopplung: Bis Stark nämlich seinen eisernen Anzug zum zweiten Mal – diesmal unter Hightech-Bedingungen – konstruiert hat, können wir zusehen, wie seine rote Rüstung Rost ansetzt. Dies ist nötig für den Showdown, in dem der Eiserne gegen sich selbst antritt – und zwar in Gestalt des Prototypen, der bei seiner Flucht zu Schrott ging und nun von seinem Gegenspieler wieder flottgemacht wurde. Leider wirkt dieser Kampf allzu behäbig: Stählerner King Kong gegen Robocop. Es fliegt das Blech weg, mehr nicht.

Besser sind die Schauspieler. Neben Jeff Bridges als Bösewicht mit Glatze überzeugt Robert Downey Jr. als atemloser Womanizer, der in seiner eisernen Ganzkörperprothese – Heidegger würde sagen »Ge-Stell« – erst rennen kann, bevor er laufen lernt. Witzig ist auch die filmische Umsetzung jener Achillesferse, die alle Marvelhelden teilen: Anstelle eines Herzens hat der Eiserne eine Art magnetische Energiequelle, die sehr anziehend wirkt. Besonders auf Frauen. Wenn Gwyneth Paltrow als Starks Assistentin ihrem Chef beim Austauschen dieses Apparats armtief in die Brust langt, dann sind wir für einen Moment in einem Cronenberg-Film. Gefühltes Schwermetall gibt es erst wieder am Ende: Lustvoll zitiert Stark im letzten Satz des Films den Titel des programmatischen Songs von Black Sabbath, die dem Eisernen ein musikalisches Denkmal setzten: »I am Iron Man«.

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