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Gerhard Midding

Derzeit müssen Filme Longseller sein. Hoffentlich dürfen sie es danach bleiben. Die Sitzkapazitäten der Kinos könnten die Verleiher zumindest kurzfristig zwingen, in längeren Zeiträumen zu denken. Das erste Wochenende würde dann nicht mehr über Gedeih und Verderb entscheiden. Die Filme dürften vielleicht wirklich Zeit haben, ihr ihr Publikum zu finden.

Gerhard Midding

Leider habe ich Colo Tavernier O' Hagen nie kennengelernt. Als ich Bertrand Tavernier zum ersten Mal traf, lag die Scheidung des Paares schon acht Jahre zurück. Aber sie schrieb weiterhin Drehbücher für ihn. Er sprach häufig von ihr, mit großer Bewunderung und Klarheit: Er hatte ihr viel zu verdanken. Nun gab er auf der Seite des Institut Lumière bekannt, dass sie an Krebs gestorben ist.

Gerhard Midding

Heute feiert Krysztof Zanussi seinen 81. Geburtstag. Wiederum möchte ich ihm dazu herzlich gratulieren. Seit dem Eintrag vom letzten Jahr kenne ich sein Werk ein wenig besser, aber immer noch nicht gut genug. Und obwohl ich inzwischen auch Aufnahmen gesehen habe, wo er einen Rollkragenpullover trägt, hat das meine Bewunderung für den exzellenter Geschmack, den er bei der Wahl seiner Anzüge und Krawatten beweist, nicht geschmälert.

Gerhard Midding

Noch eine französische Renaissance, wiederum mit prunkender Besetzung: Die "Cahiers du cinéma" melden sich zurück. Sie laufen wieder, schreibt der neue Chefredakteur Marcos Uzal verheißungsvoll im Editorial der Juni-Ausgabe.

Gerhard Midding

Blueberry sah ohnehin immer schon aus wie Jean-Paul Belmondo, erst recht, solange Jean Giraud ihn zeichnete und er den Rang eines Leutnants bekleidete. Und die Comic-Saga, die der Zeichner 1963 mit dem Szenaristen Jean-Michel Charlier aus der Taufe hob, hatte stets tiefe Wurzeln im Kino. Namentlich ihre Szenerie gemahnt an das Monument Valley, das aus europäischer Perspektive zum Inbegriff des Westens geworden ist. Aber das Blueberry je von einem solchen Sammelsurium filmischer Doppelgänger umgeben sein würde, habe ich mir bis zu seinem neuen Abenteuer nicht vorstellen können.

Gerhard Midding

Es ist schön, dass man nun vielerorts wieder so herzlich willkommen geheißen wird. Man hat gefehlt. Nun ist die Dankbarkeit groß, die den Rückkehrenden entgegenschlägt. Die Werbebranche jedenfalls hat nicht verlernt, wie man seine Kunden adressiert. Eine Männerstimme von geschmeidiger, wohliger Wärme begrüßte uns im Dunkel des Kinosaals. Sie versäumte nicht, uns an das Ausschalten unserer Handys zu erinnern.

Gerhard Midding

Man schaut seine Filme nicht mehr mit denselben Augen: Er ist nicht mehr der, der er einmal war. Aber ebenso gut ist es möglich, dass das Gegenteil stimmt. Clint Eastwood ist sich treu geblieben. Und insgeheim zieht uns manchmal doch noch die einstige Coolness in den Bann, die zynischen Einzeiler und die Kaltblütigkeit, mit der seine frühen Charaktere gegen den eigenen Tod wetten.

Gerhard Midding

Fünf Uhr nachmittags ist mir eindeutig zu früh. Vermutlich begann nicht einmal Luis Bunuels heilige Apéritifstunde so zeitig. Aber ansonsten bin ich vollauf zufrieden mit Stanley Tuccis Plädoyer für den alltäglichen Cocktail.

Gerhard Midding

Jean-Loup Dabadie besaß ein einzigartiges Talent, das Banale in Poesie zu verwandeln. Seine Kunst, Epigramme in Alltagssprache zu verfassen, konnte man gerade gestern Abend noch erleben, nur wenige Stunden, nachdem er mit 81 Jahren in Paris gestorben ist.

Gerhard Midding

Es geht allmählich wieder los, langsam und unsicher. Die Branchenblätter melden schon wieder Einspielergebnisse, nicht mehr allein die Erlöse aus Video on Demand, sondern aus physisch existierenden Kinos.