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Gerhard Midding

Wenn in der Betreffzeile ihrer Mails als erstes Wort "Hommage" steht, mache ich immer auf einen Schrecken gefasst. Die französische Filmakademie ist oft der erste Überbringer trauriger Nachrichten. Am Freitagabend meldete sie den Tod des Kameramannes Pierre Lhomme. Siebenmal war er seit 1976 für einen César nominiert worden; 1989 gewann er ihn zum ersten Mal für »Camille Claudel« und zwei Jahre später für »Cyrano de Bergerac«.

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Wie schnell die Paradigmen wechseln, bekommt man kaum mehr mit. Es geht alles einfach zu schnell. Was eben noch galt, muss es im nächsten Moment nicht mehr tun. Gewissheiten lösen sich in Windeseile in Luft auf. Die Demographie wandelt sich von heute auf morgen. Gerade noch war das Teenagerpublikum für Hollywood eine sichere Bank. Und nun ist schon kein Verlass mehr darauf.

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Die Beiläufigkeit, hinter der dieser einminütige Teaser seine Absichten verbirgt, ist beeindruckend. Er schleicht sich heran an den Zuschauer. Keinen Augenblick käme er auf die Idee, das Ganze diene der Beschwichtigung. Fast könnte er glauben, Daniel Craig habe sich in den Videoclip eines karibischen Rappers verirrt. Gewiss, man sieht ihn kurz bei der Arbeit mit seinem Regisseur. Auch ein alter Weggefährte taucht auf, neben vielen neuen Gesichtern. Aber von Anspannung keine Spur.

Gerhard Midding

Heute feiert Krysztof Zanussi seinen 80. Geburtstag. Dazu möchte ich ihm herzlich gratulieren und ihn zugleich dafür um Verzeihung bitten, dass ich nur wenige seiner Filme kenne. Außerdem würde ich gern wissen, woher die exquisiten Anzüge und Krawatten stammen, die er trägt.

Gerhard Midding

Der Nacken zählt, das wissen Ärzte ebenso gut wie Henker, zu den verletzlichsten Regionen des menschlichen Körpers. In ihm konzentriert sich dessen Anspannung, weshalb er auch für die Filmkamera von brennendem Interesse ist. Der Philosoph Emmanuel Lévinas hielt ihn für einen so aufschlussreichen Spiegel des Inneren, dass er ihn kurzerhand dem Gesicht zuordnete.

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Erinnern Sie sich noch an die Anzeigen, in denen „international renommierte“ Verlage um neue Autoren warben? Sie wirkten gediegen, sogar einigermaßen seriös, obwohl die Verlagsnamen auffällig oft berühmteren ähnelten. Die Namen der Autoren hingegen, die sich als zufriedene Nutznießer dieses Geschäftsmodells präsentierten, waren eher unbekannt. Auf Bestsellerlisten suchte man sie vergeblich. Sie trugen, um mit dem Schriftsteller Léonard (Vincent Macaigne) aus „Zwischen den Zeilen“ zu sprechen, nicht gerade viel zur Abholzung bei.

Gerhard Midding

Gestern wurde bekannt, dass die japanischen Filmtheater zum ersten Mal seit 1993 ihre Eintrittspreise erhöhen. Wie die Kinokette "Toho" erklärt, ist dieser epochale Schritt aufgrund der technischen Aufrüstung unumgänglich; zudem sollen die Lichtspielhäuser besser gegen Erdbeben geschützt werden. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: mehr als ein Vierteljahrhundert blieb das Preisniveau stabil.

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Vor ein paar Wochen, als Bong Joon-ho die Einladung in den Wettbewerb von Cannes erhielt, warnte er seine Landsleute noch vor zu hohen Erwartungen. Eine Palme, die Goldene gar, sei in weiter Ferne. Die Geschichte, die er in „Parasite“ erzähle, sei so spezifisch südkoreanisch, dass er sich nicht vorstellen könne, dass sie auf ein universales Interesse stoßen würde.

Gerhard Midding

Die Sprache Europas, von der die Unterzeichner des Manifests von Cannes vermuten, dass nur wenige sie verstehen, ist Englisch. Eine gemeinsame ist sie mithin nicht, vielmehr eine pragmatische Übereinkunft; auch im Hinblick auf den Weltmarkt. Sie wird eventuell widerwillig und mit mehr oder weniger dickem Akzent gesprochen, was die Kommunikation nicht einfacher macht.

Gerhard Midding

Meinen Wahlzettel in die Urne zu stecken, war nicht ganz leicht. Er passte kaum noch hinein. Es klappte erst beim zweiten Versuch. Der Papierstau ließ sich einerseits dadurch erklären, dass der Zettel diesmal ziemlich dick ausfiel: Die Liste der Parteien, die sich zur Wahl stellten, war so lang wie nie zuvor. Andererseits konnten Wahlhelfer voller Genugtuung berichten, dass die Beteiligung sehr hoch gewesen war. Ihr Pappkarton war prall gefüllt.