Sommerberlinale [6]

»Ballad of a White Cow« (2020). © Amin Jafari

In Anbetracht der fortgeschrittenen Tageszeit halte ich mich heute an das von mir seit langem hochgeschätzte Motto aus den Warner Bros.-Filmen der frühen Dreißiger, »Make it snappy!«

Heute gibt es noch eine weitere Chance, den geschätzten »Albatros« von Xavier Beauvois zu sehen, erstmals auf dem Programm steht der iranische Wettbewerbsfilm »Ballad of a White Cow«, in Anwesenheit von Regisseur (und Ko-Autor) Behtash Sanaeeha und Hauptdarstellerin (und Ko-Autorin) Maryam Moghaddam: nach dem letztjährigen Berlinale-Gewinner ein weiteres eindringliches Plädoyer gegen die Todesstrafe. Hier muss die Protagonistin erfahren, dass ihr vor einem Jahr wegen Mordes hingerichteter Mann unschuldig war. »Ein Justizirrtum«, »Gottes Wille« und »Die Todesstrafe ist ein Menschenrecht« – alles Sätze, die ein Richter zu seinem Kollegen sagt, der einer von den drei Richtern war, die das Todesurteil verhängten. Jetzt plagen ihn Gewissensbisse, er macht sich zum Wohltäter der Frau, stellt sich vor, als jemand, dem ihr Mann eine größere Summe Geldes geliehen hatte und besorgt ihr eine neue Wohnung. Erwartungsgemäß fliegt der Schwindel eines Tages auf. Moghaddam liefert als Witwe und Mutter einer siebenjährigen stummen Tochter das Porträt einer selbstbewussten Frau, die auch unter familiärem Druck (durch Schwager und Schwiegervater) ihre Ruhe bewahrt. Verständlich, dass die beiden Filmemacher erst sechs Fassungen schreiben mussten, bevor das Drehbuch genehmigt wurde (das auch nicht alle provokanten Filmszenen enthält). Eine Aufführung im Iran ist unwahrscheinlich, die dafür verlangten Kürzungen würden ca. 25 Minuten ausmachten und den Sinn des Films verfälschen, erzählten die beiden im Interview. Der Film hat kürzlich einen Verleih gefunden und soll Anfang des Jahres in die deutschen Kinos kommen.

Eine letzte Chance, den japanischen Film »Wheel of Fortune and Fantasy« von von Ryusuke Hamaguchi zu sehen, gibt es heute: drei Episoden um Liebeswirren, in der ersten erzählt eine junge Frau ihrer Freundin von dem Mann, den sie gerade kennengelernt hat, die Freundin begreift, dass es sich um ihren Ex-Liebhaber handelt, in der zweiten überredet ein Student seine Freundin, dem Professor der seine Arbeit schlecht bewertete, eine Sex-Falle zu stellen (was am Ende nach hinten los geht), die dritte handelt von der Wiederbegegnung zweier einstiger Schulfreundinnen, die sich am Ende als Missverständnis erweist – eine schöne Balance von Komödie und Drama.

Letzte Chance heute auch für den beeindruckenden Dokumentarfilm »From the Wild Sea« von Robin Petré: kommentarlos wird gezeigt, wie freiwillige Helfer an den Küsten Großbritanniens und der Niederlande versuchen, gestrandeten Tieren zu helfen, von der Strömung abgetriebenen Robben, von Öl verschmutzten Schwänen; für einen gestrandeten Wal kommt jede Hilfe zu spät, das Bild des riesigen Tieres vergisst man so schnell nicht.

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