Sommerberlinale [2]

»Albatros« (2020). © Guy Ferrandis

Tag 2 der Berlinale bietet eine größere Filmauswahl, neben einer Wiederholung vom Vortag (»Glück«) auch einen Film, der im Wettbewerb keinen Preis gewann, aber bei mir bleibenden Eindruck hinterließ. Regisseur Xavier Beauvois, vor allem bekannt durch seinen Cannes-Gewinner »Von Menschen und Göttern« (2010), stellt, wie schon vor 16 Jahren in »Eine fatale Entscheidung«, einen Polizisten in den Mittelpunkt. Brillierte damals Nathalie Baye als Kommissarin mit Alkoholproblemen, so ist es in »Albatros« Jérémie Renier als Polizist in einer Kleinstadt an der normannischen Küste, der plant, seine Lebensgefährtin (mit der er bereits einen kleinen Sohn hat) zu heiraten, dem aber langsam alles über den Kopf wächst, zumal das Haus, dass er für sich und seine Familie mehr oder weniger in Eigenarbeit errichten will. Als es dann bei einer Festnahme zu einem tragischen Vorfall kommt, gerät sein Leben immer mehr aus der Balance, schließlich verlässt er Arbeit und Familie und versucht seinen alten Kindheitstraum zu verwirklichen, sich mit einem Segelboot einfach davon zu machen. Das Ende mag man als »over the top« empfinden, aber es passt zu Beauvoi' früheren Arbeiten, die eine dokumentarische Nüchternheit immer wieder in dramatische Momente münden ließen. Bei der zweiten Berlinale-Phase für die Presse gesperrt, darf man darauf hoffen, dass der Film zwischenzeitlich einen deutschen Verleih gefunden hat, bekanntgegeben wurde das noch nicht, für eine Freilichtaufführung dürfte er mit seinen Bildern der Küstenlandschaft ideal sein.

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