Jens Balkenborg

Filmkritiken von Jens Balkenborg

Drei Freundinnen, darunter eine Kurdin, inszenieren in der Gebetskleidung der Mutter ein Musikvideo zu »Losing My Religion«. Kurdwin Ayub inszeniert flippig und ganz ohne Problemfilm-Duktus ein migrantisch geprägtes Coming of Age zwischen (digitaler) Moderne und (religiöser) Tradition.
Luca Guadagnino erzählt mit den fantastischen Hauptdarstellern Taylor Russell und Timothée Chalamet ein kannibalisches Coming of Age: eine Geschichte über gesellschaftliche Außenseiter im Reagan-Amerika der 1980er Jahre.
Fatih Akin hat die irre Biografie des Gangsta-Rappers Xatar als Mischung aus Geflüchtetendrama, Gangster- und Heist-Geschichte verfilmt. Eine so überkandidelte wie unterhaltsame Jungsfantasie.
Über vier Jahre hinweg hat Dokumentarfilmerin Susanne Regina Meures die Berliner Influencerin Leonie und ihre Eltern begleitet. Herausgekommen ist ein düsteres Porträt einer Familie im Selbstverwirklichungshamsterrad, dessen Rolle in der Vermarktungsmaschinerie seiner Protagonistin ambivalent bleibt.
In der Lagune von Venedig will Daniele mit seinem hoch frisierten Motorboot der schnellste sein. Zwischen dokumentarischer und fiktionaler Form erzählt Ancarani ohne Drehbuch in einem realen Milieu seine Geschichte um Konkurrenz-Gebaren und Hedonismus. Ein produktiver, selbstbewusst überästhetisierter Grenzgang voller fantastischer Bilder.
Die Enddreißigerin Clara promoviert in Berlin und kehrt zum 60. Geburtstag ihrer Mutter in die alte Heimat in die brandenburgische Provinz zurück. Annika Pinske gibt mit einem brandaktuellen, angenehm unaufgeregten Debüt Einstand: über die Differenz zwischen dem urbanen Bildungsbürgertum und dem dörflich-proletarischen Gepflogenheiten. Ein pointiertes Gesellschaftsporträt.
Eine Prophezeiung besagt, dass der im Südsudan lebende Muzamil mit 20 sterben wird. Regisseur Amjad Abu Alala erzählt in seinem Debüt eine Emanzipationsgeschichte, die zugleich Freiheitsparabel ist für die Menschen, die sich gegen den Autokraten Umar al-Baschir gestellt haben.
In sechs Kapiteln entwirft Simon Brückner mit soziologischer Neutralität eine Introspektive der zwischen (vermeintlich) Moderaten und Extremen zerrissenen AfD. Ein kontroverser Film, der Kraft seiner Bilder die Partei vorführt. Aber: Will man die ganzen AfD-Nasen wirklich im Kino sehen?
Angelehnt an den juristisch gesehen ersten homophoben Mord Belgiens erzählt Nabil Ben Yadir in seinem radikalen filmischen Triptychon von Hass und Homophobie. Ein formal starker Film mit Haltung, der wehtut, um Augen zu öffnen.
Nach dem Tod der Großmutter kommt der neunjährige Roman aus der Ukraine nach Deutschland, wo seine Mutter als Pflegerin illegal für den Rentner Gert arbeitet. Marcus Lenz erzählt mit Psychothriller-Anleihen von den Unsicherheiten des Erwachsenwerdens, von Mutterliebe und davon, Grenzen zu überwinden.

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