Jens Balkenborg

Filmkritiken von Jens Balkenborg

In ihrem zweiten Spielfilm erzählt Sandra Wollner von einem Androiden, der in die Rolle einer verschollenen Tochter und eines vor Jahrzehnten verstorbenen Bruders schlüpft. Was macht uns zu Menschen und was bedeuten Erinnerungen? Stilistisch bravouröses, verstörendes Assoziationskino um die Institution der Familie
Ein Vater aus ärmlichen Verhältnissen macht sich zu Fuß auf den Weg ins 300 Kilometer entfernte Belgrad, um für das Sorgerecht für seine Kinder zu kämpfen. Mit berstender Ruhe inszeniert Srdan Golubović diesen Roadtrip, in dem Goran Bogdan als schweigsamer, stoischer Held glänzt
In einem religiösen Zentrum für jugendliche Mütter in Buenos Aires lernt eine junge Novizin zwei 17-jährige Mütter kennen und entwickelt selbst Muttergefühle. Maura Delperos Spielfilmdebüt thematisiert leise-eindrücklich eine Mutterwerdung und entwirft ein Porträt der Weiblichkeit
Barbara Ott erzählt in ihrem schmerzhaft konsequentem Spielfilmdebüt von einem Amateurboxer am existenziellen Abgrund, der in großer Notlage und Verzweiflung sich und seine drei Kinder durchzubringen versucht. Ein einnehmendes, manchmal an der Karikatur kratzendes Sozialdrama mit einem preiswürdig aufspielenden Jannis Niewöhner
Nebojsa Slijepcevics Dokumentarfilm erzählt von der Entstehung eines Theaterstücks über die Tötung eines serbischen Mädchens während des Kroatienkriegs. Dem kroatischen Regisseur gelingt ein leise-heftiger Film über Identität und die Wunden der Vergangenheit
Eine Frau wird von einer Brücke ins Wasser geschubst und überlebt leicht verletzt. Von wem? Warum? Michael Fetter Nathansky erzählt einen Krimifall in drei Episoden aus drei Perspektiven. Ein kluges kleines Lehrstück unzuverlässigen Erzählens, zugleich eine Reflexion über Familie, Freundschaft und Identität
Der wegen der Alkoholsucht der Mutter am Pränatalen Alkoholsyndrom leidende Bernd Thiele macht sich mit einem ebenfalls geistig behinderten Kumpel auf die Suche nach seiner Familie. Eine intime, unterhaltsame Reise in die Vergangenheit und ein Beweis, wie gut das Kino als Inklusionsvehikel taugt
In ihrem Debüt folgt Melanie Waelde einer Clique kurz vor dem Abitur. Liebe, Abschiedsschmerz, Selbstfindung: Coming-of-Age als animalische Implosion in einem Film, der mehr Gefühl ist als Geschichte
Vor Jahren wurde Vitalina Varela verlassen. Nach vierzigjährigem Warten auf das Flugticket kommt sie nach Portugal, wo der Mann drei zuvor Tagen begraben wurde. Pedro Costa widmet der kapverdischen Frau Vitalina Varela eine filmästhetische Reflexion ihres eigenen Lebens
Ein in Deutschland lebender Syrer macht sich auf die Suche nach seinem im Bürgerkrieg verschwundenen Bruder. Randa Chahouds Kinodebüt hat gute Absichten, gerinnt aber zu einer überfrachteten, wilde Haken schlagenden Geschichte, die etwas plump auf dramatische Effekte abzielt

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Die amerikanisch-chinesische Regisseurin Chloé Zhao hat mit »Nomadland« große Chancen auf den ein oder andren Oscar. Mubi zeigt nun ihren Debütfilm: »Songs My Brothers Taught Me«
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In Darius Marders »Sound of Metal« spielt Riz Ahmed einen Musiker, der ­einen Hörsturz erleidet. Der Film ist aber keine Auseinandersetzung mit dem Wesen der Musik, sondern mit der Unfähigkeit zur Ruhe
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Mit ihrem Film »Beginning« (Dasatskisi) lieferte die georgische Regisseurin Dea Kulumbegashvili ein viel beachtetes Debüt im Corona-Festivaljahr 2020. Die sperrige Emanzipationsgeschichte räumte unter anderem in San Sebastián groß ab
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Athina Rachel Tsangari (»Attenberg«) entstaubt in ihrer ersten Serie, dem Achtteiler »Trigonometry«, das abgekaute Thema der Ménage-à-trois
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Mit Elyas M'Barek in der Hauptrolle erzählt der Oscarkandidat »Was wir wollten« von einem Paar, das sich auf Sardinien von dem unerfüllten Kinderwunsch zu erholen versucht
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Mit nur drei Spielfilmen hat ­Eliza ­Hittman sich als eine der ­wichtigsten ­amerikanischen Independent-Regisseur:innen etabliert. Ihre Spezialität: die Erfahrungen von Jugendlichen. Jetzt kommt das subtile Drama »Niemals Selten Manchmal Immer« ins Kino, das von einem Schwangerschafts­abbruch erzählt
Blogeintrag
Mit »Never Rarely Sometimes Always« startet ein Film in den Wettbewerb, der diese Sprache ganz famos beherrscht. Sundance-Gewächs Eliza Hittman hat sich mit ihren beiden vorherigen Filmen »It Felt Like Love« und »Beach Rats« den Ruf als eine der aktuell aufregendsten Independent-Regisseurinnen erarbeitet. Und ihr neuer Film gehört ganz sicher zu den großen Favoriten dieses 70. Berlinale-Jahrgangs.
Blogeintrag
»Favolacce« ist eine bitterböse Satire ohne klassische dramaturgische Linien und wirklichen empathischen Anker.