Gerhard Midding

Als ich diesen ausgesprochen Herbstfilm zum ersten Mal sah, vermittelte er mir ein Gefühl von Dringlichkeit, das mich verblüffte. Es entsprang nicht seinem Tempo, wohl aber seinem Blick. »In Zeiten des abnehmenden Lichts« will ganz schnell noch einmal festhalten, wie es einst aussah und sich anfühlte.

Abteil Nr. 6 (2021)

Regisseur Juho Kuosmanen schickt zwei Protagonisten aus zwei unterschiedlichen Welten auf eine gemeinsame Zugreise durch den kalten russischen Norden. Bald verwandelt sich die anfängliche Abneigung zwischen der jungen Frau und dem ungehobelten Mann in tapsige Zuneigung. Ein zart-poetischer Film über soziale Unterschiede, die russische Landbevölkerung und natürlich die Liebe. Kein Kitsch nirgendwo.

A Thought of Ecstasy (2017)

Der Film-Grenzgänger RP Kahl verbindet in einem assoziativen Rausch Kunstfilm, männliche Masturbationsfantasie, Roadmovie und Noir-Thriller. »A Thought of Ecstasy« ist ein überambitionierter, aber dennoch faszinierender Trip.

The House That Jack Built (2018)

Ein neues unwirtliches Kapitel der Exerzitien des Lars von Trier. Dieses Mal folgt er den Spuren eines Serienkillers, der seine hässlichen Taten als schöne Kunst zelebriert.

Die Welle (2007)

Böse Gruppenmechanik: Jürgen Vogel als Lehrer, der statt über »Anarchie« zur Lektion über »Autokratie« verdonnert wird und dabei ein Experiment mit unabsehbaren Folgen beginnt.

Black Book (2006)

»Black Book«, das brillante europäische Regie-Comeback Paul Verhoevens, erzählt, wie gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die jüdisch-holländische Sängerin Rachel unter der deutschen Besatzung zu überleben versucht. Beeindruckend die Darsteller, allen voran Carice van Houten in der Hauptrolle.

Cash Truck (2021)

Guy Ritchie adaptiert Nicolas Boukhriefs Thriller mit Jason Statham in der Hauptrolle neu – als düstere Modernisierung des Film noir, der die Welt als Höllenpfuhl zeigt.

Blade Runner (1982)

Mit »Blade Runner« verabschiedet Ford sich von seinem Space Cowboy aus »Star Wars« und setzt ihn doch auch wieder fort. Wie ein Held des Spätwesterns oder des Film noir ist er ein Überbleibsel, ein Kerl, der moralisch und ästhetisch nicht ganz in seine Zeit passt. Und sie dadurch sichtbar macht. Als schäbiger Detektiv, der die Femme fatale – oder eben ihre Simulation: Sean Young als schöne Replikantin – nur ­magisch anziehen kann, nutzt ihm alle Abgebrühtheit nichts. Er hat eine Passion zu durchleben.

San Sebastian: Geschichten von Verlust und Selbstbehauptung

Bei den 71. Filmfestspielen von San Sebastian siegte der Debutfilm einer spanischen Regisseurin: »O corno« von Jaione Camborda gewann die Goldene Muschel.
In Scorseses »Killers of the Flower Moon« spielt Jesse Plemons mal den Guten.

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