Kritik zu Ruby taucht ab

© Universal Pictures

2023
Original-Titel: 
Ruby Gillman, Teenage Kraken
Filmstart in Deutschland: 
29.06.2023
Vor: 
L: 
90 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Von wegen Meerjungfrauen sind die Guten: Im neuen Dreamworks-Animationsfilm beschützen die Kraken die Ozeane vor den eitlen, übergriffigen Arielles ihrer Welt – und Kraken-Teenager Ruby muss dazwischen ihre Identität finden

Bewertung: 3
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Die sechzehnjährige Ruby ist ein ganz normaler Teenager, schüchtern und etwas tollpatschig. Sie schwärmt für ihren Klassenkameraden Connor, einen coolen Skater, dem sie Nachhilfe in Mathe gibt. Wie gerne würde sie mit ihm zum Abschlussball der Schule, der Prom Night, gehen. Ihre Freundesclique ermutigt sie, aber der entscheidende Moment wird zur größtmöglichen Katastrophe: Connor und Ruby stürzen vom Pier in den Ozean. Während Connor dabei beinahe ertrinkt, geht mit Ruby eine Verwandlung vor, auf die sie ganz und gar nicht vorbereitet ist.

Nix normal. Im Zeitalter der Superheldenfilme verfügen auch die jugendlichen Protagonisten von Animationsfilmen über verborgene Kräfte, die sich als Familiengeheimnisse erweisen, über die die Eltern ihren Nachwuchs nicht rechtzeitig aufgeklärt haben, im Glauben, sie dadurch beschützen zu können. 

»Geh nicht aus dem Wasser!«, musste sich die Meerjungfrau Arielle (im gleichnamigen Disney-Film) von ihrem Vater immer wieder anhören, aber so etwas provoziert einen Teenager natürlich erst recht. Bei Ruby lautet die Warnung ihrer Mutter Agatha genau andersherum: »Meide das Wasser um jeden Preis!« – was nicht ganz einfach ist, da sich die Familie Gillman in der Küstenstadt Oceanside niedergelassen hat.

Ruby also verwandelt sich beim Sturz ins Wasser in einen riesigen Kraken, eines jener Monster, das man etwa aus den Stop-Motion-Filmen von Ray Harryhausen kennt. Aber diesmal ist alles ganz anders, diesmal sind die Kraken die Guten, beschützen die Geschöpfe der Ozeane gegen die Meerjungfrauen. Denn die sind, anders als es uns »Arielle« weismachen wollte, in Wirklichkeit eitle Geschöpfe (verbrachten in »Arielle« nicht die Schwestern der Heldin in der Tat die meiste Zeit vor ihren Spiegeln?), ausgestattet mit einem rücksichtslosen Machtstreben. 

Mit dieser Umwertung vertrauter Märchenfiguren knüpft diese Produktion der Firma Dreamworks an frühere Erfolge des Studios an, zumal das filmische Quartett um den grünen Oger »Shrek«, der die Hand der Prinzessin gewann, oder auch die Trilogie um den schluffigen Panda, der sich dank seiner neu entwickelten Kampfkünste zum »Kung Fu Panda« mauserte.

Dass Connor vor dem Ertrinken von einer neuen Mitschülerin gerettet wird, die so ziemlich das Gegenteil von Ruby ist – klassisch attraktiv mit langen roten Haaren und mit dem vielsagenden Namen Chelsea Van Der Zee –, ist kein Zufall. Chelsea verrät Ruby, dass sie eine Meerjungfrau ist und ihr jetzt helfen wolle, den Graben zwischen Kraken und Meerjungfrauen zu beseitigen. Aber sagt sie die Wahrheit? Ist sie vielleicht in Wirklichkeit jemand ganz anderes? »Meerjungfrauen altern nicht«, wird sie dazu später verraten.

Das Ende ist einmal mehr dramatisch, ein Kampf unter Wasser, an dem auch Rubys Großmutter Anteil hat. Animationsfilmerfahrene Zuschauer erinnert das Ganze mit seinem Familiengeheimnis stark an Pixars »Turning Red« (2022), aber visuell kann sich der Film sehen lassen.

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