Kritik zu H wie Habicht

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Eindringliches und irritierendes Naturdrama um eine Frau, die mit der Abrichtung eines Habichts versucht, den Tod ihres Vaters zu bewältigen.

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Den Verlust eines Menschen mit der Abrichtung eines Tieres zum Töten zu bewältigen, ist speziell. Was Tierschützende auf die Barrikaden bringt, kann aber helfen, den Tod im Leben zuzulassen, ihn als Teil des Eigenen zu begreifen und zu akzeptieren. Und es kann Ausdruck für eine radikale wie archaische Naturverbundenheit sein – zumindest für die britische Autorin und Wissenschaftshistorikerin Helen Macdonald. Deren Memoiren hat Philippa Lowthorpe als bildgewaltiges, melancholisches und sicher auch kontroverses Drama auf die Leinwand gebracht.

Helen (Claire Foy) lehrt in Cambridge Geschichte und Philosophie – mitunter recht unkonventionell im Pub. Mit den Männern will es nicht so recht klappen, doch in Christina (Denise Gough) hat sie eine treue Freundin. Und sie vergöttert ihren Vater, den preisgekrönten Fotografen Alisdair Macdonald (Brendan Gleeson). Er hat ihr die Liebe zur Natur und seinen außergewöhnlichen Blick auf sie, die Menschen und das Leben vermittelt. Als der überraschend stirbt, gerät Helens Leben aus den Fugen.

Zwar hatte Helen ihm noch kurz vor seinem Tod von einer der seltenen Sichtungen eines Habichtpärchens erzählt, dennoch mutet ihr plötzlicher Drang, einen solchen Raubvogel besitzen zu wollen, doch etwas seltsam an. Habichte gehören zu den brutalsten und verrücktesten Raubvögeln. Doch der befreundete Falkner Stuart (Sam Spruell) hilft ihr bei dem Kauf und auch bei der Abrichtung: Um einen Habicht zu bändigen, müsse sie ihn so viel wie möglich töten lassen, lautet einer seiner Ratschläge. Den beherzigt Helen in der Natur. In ihrer zusehends verwahrlosten Wohnung stülpt sie dem Vogel, den sie ­Mable, die Liebeswerte, nennt, eine Lederkappe über. Denn, so erklärt sie ihrer Freundin Christina, für Habichte existieren Dinge nicht, die sie nicht sehen. Sie fühlen sich sicher. So wie sich Helen in ihrer Wohnung verkriecht und sicher fühlt. Ihre aussichtsreiche Chance auf eine Postdocstelle in Deutschland hat sie da schon verstreichen lassen, Seminare vergisst sie, menschliche Kontakte meidet sie.

Lowthorpe zeichnet den Weg Helens voller Zartheit und Brutalität zugleich. In Rückblicken erzählt sie von der besonderen Beziehung zwischen Helen und ihrem Vater. Die Kamera lässt sie immer wieder lange auf dem Gefieder des Tieres verharren, scheint die Textur, das Wesen des Federkleides durchdringen und verstehen zu wollen, folgt dem Tier in der rauen Natur und scheut auch nicht den Blick auf das Raubtier mit seiner erlegten Beute. Dunkel und rau ist dieses Szenario, im Inneren wie im Äußeren, was so auch Helens Gefühlswelt widerspiegelt. Claire Foy gibt diese Frau voller Intensität und Authentizität. Einem Tier, so scheint sie zu vermitteln, kann man nichts vormachen. Es lässt sich aber auch nur schwer eine Verbindung im herkömmlichen Sinne schaffen. Und doch geht Helen eine seltsame Symbiose ein. H wie Habicht ist keine Erlösungsgeschichte. Helen erkennt ihre Depression und zugleich ihre tiefe Verbundenheit mit Mable. Der stechende Blick des Tieres macht das nur gruseliger – und seltsam traurig.

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