ZDF-Mediathek: »Das Manko«

»Das Manko« (Miniserie, 2026). © ZDF/Mathias Schöningh/Razor Film

»Das Manko« (Miniserie, 2026). © ZDF/Mathias Schöningh/Razor Film

Die unter anderem beim Seriencamp Festival Köln und der Series Mania Lille ausgezeichnete Miniserie über liebenswert inkompetente Angestellte bricht mit allen Sehgewohnheiten und bietet absurde wie kreative »Physical Comedy«

»Das Manko« ist anders als ziemlich alles, was es in der Fernsehfiktion sonst zu sehen gibt, gleichzeitig ist die Serie vollkommen anschlussfähig. Man muss nur hinschauen, um lauter Aha-Effekte zu bemerken. Zu Beginn der ersten Folge »Eskalation in Beige« gilt es noch, eine kleine Hürde zu nehmen: Irgendwo in einer anonymen deutschen Behörde, umgeben von brutalistischer Betonarchitektur, sitzen in Beige gekleidete Mitarbeiter in einem Großraumbüro vor Excel-Tabellen. Keiner spricht. Manche simulieren Aktivität. Als das Telefon klingelt, erschrickt das Kollektiv zu Tode. Kundschaft! Der plötzlichen Hysterie folgt das Zurücksinken in Lethargie. Gefahr gebannt. Dann verkündet der Chef (Bjarne Mädel) über die Lautsprecheranlage die frohe Botschaft: »Schnitzeltag!«

Drei graue Berater gebieten der Freude Einhalt. Nach hochnotpeinlicher Beobachtung und Befragung jeder vereinzelten Person des verstörten Kollektivs präsentieren sie dem Chef zwei Listen: die »High Potentials«, die zur Weiterbildung geschickt werden sollen, und die »Low Performers«, die umgehend zu feuern sind. Natürlich werden die Listen vertauscht, die Streber erhalten Zellophanbeutel mit was Süßem und ihre Entlassung, die »Minderleister« dagegen stehen bald vor dem Gebäude, um per autonom fahrendem Bus (dessen Autonomie den Freiheitsbegriff der Maschine konsequent interpretiert) als gemeinsames Manko ihre Odyssee durch verschiedene Arbeitswelten anzutreten.

Eine der Besonderheiten von »Das Manko« ist, dass Sprache (und manchmal Gesang) nur sehr sparsam, dafür umso effektvoller eingesetzt werden. Das meiste entsteht durch »Physical Comedy« (für die Älteren unter uns: Pantomime) der Schauspieler, die als Ensemble »Das Manko GbR« auch als Autoren fungieren. Sie spielen messerscharf, einerseits tanztheaterhaft, andererseits erinnert ihre Performance in den eskalierenden Situationen an die Präzisionskomik von Jerry Lewis. Gelegentlich benutzen die Spielenden, als Gast etwa Andreas Döhler als befehlsgewohnter Vorarbeiter in einem Logistikzentrum mit riesigem Hochregallagersystem, auch eine brabbelnde Suada, aus der nur Wortbruchteile herausragen. Beeinflusst wurde »Das Manko« mit Sicherheit auch von den Theaterinszenierungen Herbert Fritschs, der in Stücken wie »Murmel Murmel« – das einzige darin vorkommende Wort war »Murmel« – ebenfalls auf absurde Körperkomik setzte. Viele der Darstellenden, insbesondere der maßgeblich an der Entwicklung beteiligte Bastian Reiber, waren regelmäßig Teil von Fritschs Inszenierungen. Als weitere Komponente kommt Regisseur Arne Feldhusen hinzu, der bei Serien wie »Stromberg« und »Der Tatortreiniger« bereits sein Talent für die Darstellung skurriler Arbeitswelten gezeigt hat.

Zunächst wird das kollektive Manko nach dem Ausbruch aus der Behörde in einem Klinikum für ein Team finnischer Ärztespezialisten gehalten, zum Operieren geführt oder zur Diagnostik Moribunder. Schließlich endet diese Folge in einem Hase-und-Igel-Rennen mit dem Sensenmann persönlich über den Krankenhausflur. In der letzten Folge landet die Gruppe bei der Schutzengelausbildung und unter der Knute einer dauerschreienden Engeltrainerin, die an faschistische Turnlehrerinnen à la Bund Deutscher Mädel erinnert.

»Das Manko« ist von absurder Komik, konkret und zielführend. Geradezu genial in der Abstimmung von Darstellung, Musik (Carsten Meyer) beziehungsweise Sounddesign (Philipp Feit) und Schnitt (Benjamin Ikes) fügen sich die vier Folgen nicht zuletzt durch den von Sophie Rois naturlexikalisch trocken gesprochenen Offkommentar über das Verhalten von Herden zu einer Feier der Inkompetenz. »Das Manko« (Annika Meier, Sarah Bauerett, Julia Schubert, Florian Anderer, Sebastian Grünewald, Jonas Hien, David Simon, Bastian Reiber, Jan Krauter, Carol Schuler und Christoph Jöde) wirkt als Clownkollektiv 2.0 wie eine Impfung gegen den herrschenden Optimierungswahn.

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