Kritik zu The Women – Von großen und kleinen Affären

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Die Produzentin und Autorin Diane English hat sich mit ihrem Regiedebüt an ein Remake von George Cukors Komödie »Die Frauen« gewagt. Auch English wird von einer Riege weiblicher Topstars unterstützt – darunter Meg Ryan und Eva Mendes

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Von allen Seiten eilen unter den Credits Frauenbeine übers Trottoir. Und die Charaktere des Films stellen sich über das Schuhwerk vor – die schlichten Pumps der Businesswomen, flache Loafers für die Praktische. Stilettos für die selbstbewusste Verführerin... Unweigerlich denkt man bei dieser Szene an Truffauts »Der Mann, der die Frauen liebte«. Und tatsächlich: Ging es in George Cukors Komödienklassiker »The Women« 1939 noch in erster Linie darum, die Zickigkeit der Upper-Class-Heldinnen zu entlarven, so ist die neue Version des Stoff es von Diane English eher eine Hommage an die Frauen.

Schon Cukors Adaption eines Broadwaystücks von Clare Boothe Luce kreiste um die Männer, ohne dass man sie je zu Gesicht bekam. Der Film gilt als Meisterwerk der Screwballkomödie, während er vielleicht doch eher ein kapriziöses Experiment war. Erschwerend kam hinzu, dass vor nahezu 70 Jahren auch ein so einfühlsamer Frauenregisseur wie George Cukor nur eingeschränkten Zugang zur weiblichen Innenwelt hatte, während Männer heute ganz selbstverständlich mit selbstbewussten Frauen aufwachsen, und ein Regisseur wie Oliver Hirschbiegel sich dem Blickwinkel einer Frau in »Mein letzter Film« ausgesprochen glaubwürdig annähert. Vielleicht ist es aber auch von vornherein der natürlichere Weg, die Regie einer Frau wie Diane English zu überlassen, die bereits in den Achtzigern als Drehbuchautorin die von Candice Bergen gespielte Fernsehjournalistin Murphy Brown zur ebenso selbstbewussten wie selbstkritischen und schlagfertigen Heldin einer Sitcom gemacht hat.

Entsprechend verlagert sie die Geschichte eines Seitensprungs dann auch eher ins Nora-Ephron- und Nancy-Meyers-Territorium. Statt von der Rivalität der Frauen im Kampf um die Männer erzählt sie von Solidarität und Freundschaft unter Frauen, von Selbstfindung und Neuorientierung in einer Welt, die sich nicht mehr allein durch Männer defi niert, in der die Trennung von einer Freundin mindestens so traumatisch ist wie eine Ehescheidung. So wie damals Norma Shearer, Joan Fontaine, Rosalind Russell und Joan Crawford verhandeln jetzt Meg Ryan, Annette Bening, Jada Pinkett Smith, Debra Messing und Eva Mendes (tatkräftig unterstützt von Candice Bergen, Bette Midler und Cloris Leachman, die eine schöne Reprise auf die beherzt ruppigen Haushälterinnen gibt, die Thelma Ritter früher spielte) die Affäre, die Ryans Wallstreet-Ehemann mit einem aufreizenden »Spritzergirl« aus der Parfümabteilung von Saks Fifth Avenue unterhält. Auch der modernisierte Heldinnenjahrgang tummelt sich zwischen Maniküre, Lingerieboutique und Modenschauen (wobei das Quartett aus heutiger Perspektive verblüffende Ähnlichkeiten zu den Kolleginnen im »Sex and the City«-Universum aufweist), doch sie wirken alles in allem erheblich weniger oberflächlich, um einiges emanzipierter und vor allem sehr viel sympathischer als das Originalensemble. Allerdings ist das komplexere Frauenbild nur um den Preis des bissigen Dialogwitzes der Vorlage zu haben, der nur noch ab und zu aufflackert.

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