Kritik zu Traumfabrik

© Tobis Film

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Emil hat gerade seine Dienstzeit bei der Armee hinter sich und durch seinen älteren Bruder Axel einen Komparsenjob in einem Filmstudio erhalten, wo Axel als Stukkateur arbeitet. Doch mit seiner Naivität und Tollpatschigkeit schafft es Emil, am ersten Tag gleich zweimal ins Fettnäpfchen zu treten und Auslöser eines kostspieligen Chaos zu werden. Ein Blick hinter die Kulissen eines Filmstudios als Komödie: so beginnt der Spielfilm »Traumfabrik«. Der dann zu einer Liebesgeschichte wird, als Emil eine Französin kennenlernt. Die ist zwar nicht der Star des Films, Béatrice Morée, sondern deren Tanzdouble Milou, aber Emil hat es erwischt. Er lädt sie ein, um ihr am nächsten Morgen etwas ganz Besonderes zu zeigen. Ob sie kommen wird? »Peut-etre«, vielleicht, antwortet sie. Doch das Datum des nächsten Tages ist der 13. August 1961 und das Filmstudio liegt in Berlin-Babelsberg, DDR. Der Weg dorthin ist den französischen Darstellern, die in einem Hotel in Westberlin untergebracht ist, verwehrt. Da wird der Film zu einem Melodram, das sich aus einer Konstellation der Zeitgeschichte ergibt. Und als Emil sich im Büro eines nicht mehr anwesenden Produktionsleiters wiederfindet, da hat er eine wahnwitzige Idee, die aus dem Film ein Schelmenstück macht: um Milou wiederzusehen, wird er in Babelsberg einen Film auf die Beine stellen, der die französischen Darsteller noch einmal zurückbringt – welche Diva könnte schon »nein« sagen zur Rolle der Cleopatra?

Internationale Ko-Produktionen mit Frankreich wurden in der Tat in den fünfziger Jahren mehrfach in Babelsberg gedreht, Joris Ivens inszenierte Gérard Philipe in »Till Eulenspiegel« (1957), Simone Signoret und Yves Montand traten unter der Regie von Raymond Rouleau in »Die Hexen von Salem« (1957), der Verfilmung von Arthur Millers Bühnenstück »The Crucible«, auf, Jean Gabin in »Les Misérables« (1958, Jean-Paul Le Chanois), alle entstanden in der Hoffnung auf internationale Anerkennung, Wolfgang Staudtes »Dreigroschenoper« (mit Curd Jürgens, Hildegard Knef, Sammy Davis, Jr.) war 1963 wohl die letzte dieser internationalen Koproduktionen, in die die DEFA viel an Devisen steckte. Diesen realen Ausgangspunkt nimmt »Traumfabrik«, der dritte abendfüllende Film von Martin Schreier, der zuvor »Unsere Zeit ist jetzt« mit dem Rapper Cro drehte, zum Hintergrund für seine Ost-West-Liebesgeschichte, die vor allem aber von der Macht und Magie des Kinos erzählt. Tat man in Ben Afflecks »Argo« so, als würde man einen Science Fiction Film drehen und tarnte damit eine Geiselbefreiung in Teheran, so dient in »Traumfabrik« der aufwändige »Cleopatra«-Film eigentlich nur dazu, eine verlorene Liebe wiederzutreffen. 

Und wo sollte so etwas funktionieren, wenn nicht in der Traumfabrik? Die erlaubt es schließlich auch einem Träumer, über sich selbst hinauszuwachsen, was er – nun auch noch Drehbuchautor und schließlich ebenfalls Regisseur – unter Beweis stellen kann, wenn er am Set gezwungen ist zu improvisieren, unterstützt von einem Komplizen-Ensemble aus der hinteren Reihe des Studios, das seinen Enthusiasmus teilt. Ein Märchen, natürlich. Immerhin, die Echtheit der Gefühle nimmt man den beiden Protagonisten (Dennis Mojen und Emilia Schüle) ab, während der Schauplatz immer wieder für – vor allem komödiantische – Doppelbödigkeiten sorgt. Nur dass die beiden französischen Stars von »Cleopatra« so wenig Leinwandpräsenz haben, trübt den Eindruck: ihr divahaftes Verhalten wirkt nur zickig, während er, mittlerweile der Verlobte der Tänzerin, nur von »Sicherheit« spricht, wo es um Liebe gehen sollte. Die Theatralik der Beiden (Ellenie Salvo Gonzalez , Nikolai Kinski) kontrastiert mit der lässigen Professionalität, wie sie Ken Duken (als Stukkateur-Bruder), Heiner Lauterbach (als Studiochef) und Michael Gwisdek (als der alt gewordene Protagonist in der Rahmenhandlung) verkörpern.

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Kommentare

Lieber Herr Arnold,

da wir hier vom ältesten Filmstudio der Welt reden, welches glücklicherweise auch immer mal wieder mein Arbeitsplatz ist, möchte ich sie darauf hinweisen, dass es sich hierbei um das Filmstudio in Potsdam-Babelsberg handelt. Man grenzt zwar an Berlin, aber Babelsberg war und ist ein Stadtteil Potsdams ;-) Mit freundlichen Grüßen, Michael Schneider

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