VoD: »Black Sands« (2025)

»Black Sands« (2025). © Glassriver

»Black Sands« (2025). © Glassriver

Eine junge Polizistin ermittelt auf Island in ungelösten Todesfällen – und muss sich ihrer Familiengeschichte stellen.

Auf den ersten Blick ist der Fall so einfach, dass es nur trügerisch sein kann: Eine junge Frau liegt im gelben Anorak tot unter den steilen Klippen auf dem schwarzen Sandstrand von Reynisfjara (einer der stimmungsvollen »Game of Thrones«-Schauplätze). Oben auf den Felsen liegen ihr Gepäck, zwei Kameras und eine Drohne. »Der Report schreibt sich selbst«, konstatiert der lokale Ermittler. Auf der Wache hat eine Kollegin eine Landkarte angebracht und mit Nadeln alle Todesfälle der letzten drei Jahre markiert, gelb, lila und rot, Unfälle, Unfalltote und Vermisste … Die junge Polizistin Aníta, die gerade aus Reykjavík in die Heimat zurückgekehrt ist und es offenbar nicht sonderlich eilig hat, sich bei ihrer Mutter im Elternhaus einzufinden, schaut etwas genauer. Bald häufen sich die Ungereimtheiten: Alle Speicherkarten der Kameras fehlen, nicht alle Wunden lassen sich mit einem Sturz von den Klippen erklären und dann taucht eine weitere malträtierte junge Frau auf, mit einer aberwitzigen Geschichte …

Die isländische Version des Nordic Noir, Filme wie »Der Eid« oder »Let Me Fall«, Serien wie »Katla«, »Trapped«, »The Valhalla Murders« oder »Black Sands«, ist in starkem Maße von der schroffen Düsternis der Landschaften, unwirtlichen Witterungsbedingungen und Lichtverhältnissen geprägt, die wiederum auf gesellschaftliche und familiäre Strukturen ausstrahlen. Anders als in deutschen Krimis geht es dort nie einfach nur darum, einen Mörder zu fassen. Was in »Black Sands« zunächst wie ein tragischer Unfall aussieht, wurzelt tief in den Beziehungsstrukturen des Dorfes, in denen schuldhafte Verstrickungen Monstren gebären. Als heimkehrende Polizistin ist die von Aldís Amah Hamilton (die zusammen mit Showrunner Baldvin Z auch am Drehbuch beteiligt ist) gespielte Aníta, ähnlich wie Elizabeth Moss in »Top of the Lake« oder Kate Winslet in »Mare of Easttown«, mit verstörenden Kindheitserinnerungen konfrontiert. Parallel zur Ermittlung gegenwärtiger Verbrechen muss sie auch die Rätsel ihrer Kindheit entschlüsseln: Warum hat ihre Mutter damals die keimende Liebesgeschichte zwischen ihr und Salomon so vehement unterbunden? Welche düsteren Kräfte gehen von dem Kinderheim aus, das ihre Großmutter geleitet hat? Und woher rührt die Kälte im Verhältnis von Mutter und Tochter? Am Ende der ersten Staffel steht Aníta vor den Trümmern ihres Lebens, und man fragt sich, ob sie überhaupt eine Chance hat, da wieder heil herauszukommen, nach vielen schrecklichen und seltsamen Todesfällen. Hinter jedem Abgrund lauert ein zweiter.

In der zweiten Staffel droht Aníta, vollends im Sumpf ihrer Familiengeschichte unterzugehen. Immer wieder drehen sich die Räume wie in einer Zentrifuge um die zentrale Achse. Dumpfe, unheilvolle Klänge beschwören Abgründe. Zwischen Schuldzuweisung und Verdrängung gibt es unterschiedliche Arten, mit den Traumata der Vergangenheit umzugehen. Jeder steht irgendwann unter Verdacht, jeder hat ein Motiv und die meisten sterben zwei Tode. Aníta hadert mit der Zukunft und mit ihrem Verhältnis zu ihrem eigenen unehelichen Neugeborenen.

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