DVD-Tipp: »Boogie Nights« (1997)

»Boogie Nights« (1997). © Plaion

»Boogie Nights« (1997). © Plaion

Zwischen Pornochic, Siebzigerjahre-Pop und Kokaineskapaden erzählt P. T. Anderson vom Glitzern und Verrotten des amerikanischen Traums. Erstmals in 4K UHD.

»Boogie Nights« markierte 1997 den endgültigen Durchbruch von Paul Thomas Anderson. Bis heute liegt der Reiz des Films darin, wie er den amerikanischen Traum der späten 1970er-Jahre verführerisch inszeniert, während gebrochene Charaktere durch Poolpartys, Discohits und Pornosets taumeln.

Im Zentrum steht Eddie (Mark Wahlberg), ein unsicherer Junge aus schwierigem Elternhaus, den Pornoregisseur Jack Horner (Burt Reynolds) unter seine Fittiche nimmt und als Dirk Diggler (später auch Rock Harder) zum nächsten großen Pornostar des San Fernando Valley formt. Digglers Kapital ist so simpel wie grotesk: sein außergewöhnlich großer Penis, den Anderson wie einen mythologischen Gegenstand behandelt.

Horner entstammt der alten Erotikfilmschule, versteht Pornografie als populäre Filmkunst und schart eine Ersatzfamilie aus beschädigten Menschen um sich: Buck Swope (Don Cheadle), der eigentlich einen Hifi-Laden eröffnen möchte, Scotty J. (Philip Seymour Hoffman), der heimlich in Eddie verliebt ist, die gewitzte Ausreißerin »Rollergirl « (Heather Graham) und Julianne Moore, die als Mutterfigur und kokainsüchtige Prestige- Darstellerin Amber Waves dem Ensemble eine zärtliche Tragik verleiht. Fast alle wirken zugleich wahnsinnig cool und total am Ende. Die Euphorie kippt irgendwann, Größenwahn und Kokainsucht treiben Diggler in den Absturz. Mit dem Einzug der Videotechnik verliert die Pornoindustrie ihren cineastischen Glanz und gerät zur schäbigen Massenware mit sinkendem Niveau und immer härteren Ansprüchen.

»Boogie Nights« ist überraschend gut gealtert – bis auf ein paar furchtbar unzeitgemäße Stellen. Philip Seymour Hoffmans homosexuelle Rolle etwa wirkt unglücklich klischiert. Der Film bedient vor allem heterosexuelle Fantasien. Dennoch blickt Anderson liebevoll auf seine Figuren, die zwischen Brusthaar und Goldkettchen verzweifelt versuchen, irgendwo dazuzugehören. Wie schön, diesem amerikanischen Fiebertraum nun in bestmöglicher Qualität zusehen zu können. Zum Bonusmaterial gehören Audiokommentare, ein Q&A sowie geschnittene Szenen.


Boogie Nights USA 1997 R: Paul Thomas Anderson. Da: Mark Wahlberg, Burt Reynolds, Julianne Moore, Don Cheadle. Anbieter: Plaion.

VÖ: 28. April 2026

Bestellmöglichkeit (DVD/Blu-ray)


 

 

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