Wieder im Kino: »Im Reich der Sinne« (1976)

»Im Reich der Sinne« (1976). © Rapid Eye Movies

»Im Reich der Sinne« (1976). © Rapid Eye Movies

1976 skandalös, heute unbequem und konsequent: Nagisa Õshimas Erotikdrama »Im Reich der Sinne« kommt am 11. Juni in ausgewählte Kinos

Nagisa Ōshimas Erotikdrama »Im Reich der Sinne« (1976) bleibt bis heute einer der radikalsten Beiträge des Autorenfilms. Bei seiner Veröffentlichung löste er einen internationalen Skandal aus: Die explizite Darstellung von Sexualität sprengte nicht nur ästhetische Konventionen, sondern stellte auch Zensurgesetze infrage. Doch die Provokation hier ist kein Selbstzweck, vielmehr führt Ōshima eine obsessive Liebesbeziehung vor, die sich im Japan der 1930er jeder gesellschaftlichen Ordnung entzieht und in Selbstauflösung endet. Dabei lässt sich der Film deutlich im Kontext von Georges Batailles Philosophie lesen: Die Verschmelzung von Erotik, Tod und Transgression spiegelt dessen Idee wider, dass extreme Erfahrung eine Form von Grenzüberschreitung ist, die das Individuum aus der rationalen Welt herausführt. Lust wird so zu einer existenziellen, metaphysischen Erfahrung.

Heute wirkt der Film weniger skandalös als vielmehr konsequent und unbequem. In Zeiten, in denen Sexualität allgegenwärtig, aber oft entleert ist, erinnert »Im Reich der Sinne« daran, dass Begehren auch zerstörerisch, absolut und politisch sein kann. Gerade darin liegt seine anhaltende Relevanz, von der man sich aktuell wieder auf der Leinwand überzeugen kann.

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