Kritik zu Playoff

© Wild Bunch

2011
Original-Titel: 
Playoff
Filmstart in Deutschland: 
30.05.2013
L: 
107 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Eran Riklis (Lemon Tree, Die syrische Braut) hat die wahre Geschichte des legendären israelischen Basketballcoachs Ralph Klein verfilmt, der in den 80ern als Trainer nach Westdeutschland kam

Bewertung: 3
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Die Entscheidung des legendären israelischen Basketballcoachs Max Stoller (Danny Huston), der mit Maccabi Tel Avivunter anderem den Europapokal der Landesmeister gewann, sorgt Ende der 70er Jahre in seinem Heimatland für Verstimmung. Warum in aller Welt nimmt der Holocaust-Überlebende, dessen Vater in Auschwitz ermordet wurde, den Job als Nationaltrainer des zweitklassigen westdeutschen Basketballteams an? Genau das will auch der neugierige Tross von Journalisten bei seiner Ankunft auf dem Flughafen wissen. Doch Stoller beantwortet nur Fragen zum Sport. Das ist eigentlich eine spannende Ausgangssituation im neuen Film von Eran Riklis, der sich nach Die syrische Braut und Lemon Tree nun »mit einer anderen Art von Geschichten« befassen wollte.

Leider kann sein Ausflug in die bleierne Zeit nicht wirklich überzeugen. Das liegt nicht an Danny Huston. Der glänzt, dem Zeitgeist der späten 70er Jahre entsprechend, als wortkarger Kettenraucher, der all seine Inspiration aus jenen Zigaretten zu saugen scheint, bei denen er ostentativ den Filter abbröselt. Huston verkörpert einen dieser harten Hunde an der Außenlinie, die ihr demoralisiertes Team mit den üblichen Motivationssprüchen dazu bringen wollen, wieder an sich zu glauben. Die Spielszenen wirken zwar nicht gefakt, doch an der am Verlauf eines Matches orientierten Dramaturgie des Sportdramas zeigt Riklis wenig Interesse. Obwohl sein Film eine Hommage an den jüdischen Starcoach Ralph Klein ist, der das deutsche Team 1984 tatsächlich zu den Olympischen Spielen nach Los Angeles führte, ist Sport hier nur der McGuffin. Dementsprechend überzeugend kommt Max Riemelt mit einer Körpergröße von 1,80 als Basketballmannschaftskapitän daher.

Nicht zufällig gerät das Ballspiel rasch in den Hintergrund, denn der Coach begibt sich immer wieder zur Frankfurter Wohnung seiner Eltern, in der jetzt die Türkin Deniz (Amira Casar) wohnt. Während er ihr dabei hilft, ihren Mann zu finden, der sie im Stich ließ, entrollt sich allmählich der eigentliche Grund für Stollers Rückkehr nach Deutschland. Als Kind hatte er ein Stück Torte geklaut, das sein Vater bezahlen wollte. Dazu musste dieser sein Versteck verlassen – und wurde so von der Gestapo verhaftet.

Dieses berührende Motiv einer quälenden Schuld verbinden Riklis und seine Buchautoren Gidi Maron und David Akerman etwas ungelenk mit dem Migrantenthema: So wird die Türkin in einer Szene von ihrem muslimischen Nachbarn angepöbelt, weil sie als Frau auf offener Straße mit einem fremden Mann spricht. Die Beobachtungen sind detailgenau, wirken aber dramaturgisch konstruiert und fügen sich nicht zu einem geschlossenen Film. Manche Szenen, in denen Stoller mit seinem von Hanns Zischler gespielten Freund Franz spricht, wirken gar hölzern wie in einem Fernsehspiel. Gelungen ist allein die Ausstattung: Mit Wählscheibentelefonen, Fernsehern und einem alten Mercedes wird die Ästhetik der 80er Jahre auf eine gruselige Art präsent. Aber trotz schöner Momente bleibt der diffuse Gesamteindruck des Films zurück.

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