Kritik zu An Impossible Project

© Weltkino

2020
Original-Titel: 
An Impossible Project
Filmstart in Deutschland: 
20.01.2022
L: 
99 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Zauberwort »Digital Detox«: Jens Meurer erzählt in seinem Dokumentarfilm unter anderem vom Versuch der Rettung der Polaroidkamera und der Neuerfindung der verloren gegangenen fotochemischen Rezeptur für den Film

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Ehrfürchtig stehen die Besucher vor einer großen Holzkommode mit eingebautem Plattenspieler, vielen Schallplatten und einem Dashboard: »Du kannst es programmieren«, lässt Florian »Doc« Kaps den Besucher wissen, zum Beispiel drei Stunden Musik für einen romantischen Abend. Klingt im Zeitalter von Spotify und Alexa nicht unbedingt revolutionär. Entscheidend ist die Form der Präsentation, mit Holz, dessen Textur man fühlen und riechen kann, einer Mechanik, die man klacken und klicken hören kann, wenn sie die Platten von ihrem Platz holt und auf den Teller platziert. Auf Dauer reichen sie einfach nicht, die nüchternen Einser und Nullen der digitalen Welt. Gerade unter den jüngeren Generationen wächst die Sehnsucht nach Dingen, die mit Sinnlichkeit aufgeladen sind. Wie sonst wäre die Zärtlichkeit zu erklären, mit der Audiokassetten, Vinylschallplatten und Polaroidkameras heute gefeiert werden?

Auf den ersten Blick könnte der Doc wie ein weltfremder Spinner wirken, doch mit seiner Begeisterung für analoge Dinge und seinem Einsatz für die Rettung der letzten Polaroidfabrik im niederländischen Enschede trifft er einen Nerv der Zeit. Denn immer mehr Menschen wollen sich der Vereinnahmung durch kleine und große Bildschirme zumindest auf Zeit entziehen und folgen dem Zauberwort »Digital Detox«. So begleitet Jens Meurer in seiner Dokumentation einen modernen Don Quijote und seine vielfältigen Mitstreiter auf der ganzen Welt. 

Die Feier des Analogen, von der »An Impossible Project« erzählt, hat auch die Produktion geprägt: So wurde die Musik von einem 40-köpfigen Orchester live aufgenommen. Titel und Abspann wurden von Erik Spiekermann auf Buchdruckmaschinen gesetzt, gedruckt und dann abgefilmt. So ist der Film eine amüsant charmante Hymne an die Sinnlichkeit analoger Dinge, die eben immer alle fünf Sinne ansprechen und nicht nur zwei, wie die digitalen Errungenschaften der Moderne.

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