Kritik zu Duell der Magier

© Disney

2010
Original-Titel: 
The Sorcerer's Apprentice
Filmstart in Deutschland: 
02.09.2010
L: 
109 Min
FSK: 
12

Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe und sein »Zauberlehrling« sollen als Quell der Inspiration für diese neueste Jerry-Bruckheimer-Produktion gedient haben

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Goethes siebenstrophiges Poem ist in den über zweihundert Jahren seit seiner Entstehung von Walt Disneys »Fantasia« bis hin zu »Harry Potter« schon so häufig durch die popkulturelle Recyclingmaschinerie gelaufen, dass sich kaum noch ausmachen lässt, wer hier von wem zitiert. Offensichtlich ist jedoch, dass Jon Turteltaubs »Duell der Magier« in die Geldbörsen der »Harry Potter«-Gemeinde zu greifen versucht, die zwischen »Der Halbblutprinz« und »Die Heiligtümer des Todes« mit magischen Ersatzspektakeln versorgt werden soll.

Der Film ist keine fünf Minuten alt, da schießen schon grelle Blitze über die Leinwand, materialisieren sich aus Rauchschwaden und millionenfachem Insektengekrabbel Zauberer längst vergangener Jahrhunderte, die die Inneneinrichtung eines Antiquitätenladens durch die Luft wirbeln lassen. Zwischen den dröhnenden Effektorgien, die sich dreist aus der digitalen Datenmülltonne des Genres bedienen, wird mühsam die Geschichte erklärt, die sich wie eine schlecht übersetzte Gebrauchsanweisung eines Fantasyspiels anhört. Der schmalbrüstige Jay Baruchel (»Zu scharf, um wahr zu sein«) schlüpft in die Rolle des scheuen Physikstudenten Dave, der aus schwer nachvollziehbaren Gründen von dem Zauberer Balthazar (Nicolas Cage) zum Weltenretter berufen wird. Die Gefahr lauert in einer Matrjoschka-Puppe und mit jeder einzelnen Hohlfigur, die geöffnet wird, fegt ein immer fürchterlicherer Magier über die Leinwand. Den Anfang macht Maxim Horvath (Alfred Molina), der genau wie Balthazar ein Schüler des großen Zauberers Merlin ist, sich jedoch aus Eifersucht auf die Seite des Bösen geschlagen hat. Tief drin in der Matrjoschka wartet die äußerst missgelaunte Hexenmeisterin Morgana, die mit den reanimierten Geistern der Toten den Weltuntergang (was auch sonst?) herbeiführen will, sowie Balthazars schöne Geliebte Veronica (Monica Bellucci), die von bösen Geistern besessen ist und deshalb von ihrem Lebensabschnittsgefährten in die russische Puppe hineingezaubert wurde.

Weil Jay per Drehbuchdefinition der einzige Mensch auf Erden ist, der Morgana bezwingen kann, muss er bei Balthazar in die Lehre gehen. Dabei erweist er sich zunächst als äußerst unbegabter Zauberschüler, der mehr an der romantischen Umwerbung seiner Schulhofliebe Becky (Teresa Palmer) als an der Verhinderung der Apokalypse interessiert ist.

»Duell der Magier« wirft seine zusammengeborgten Zutaten in einen Mixer und wirbelt sie 111 Filmminuten auf Hochtouren durcheinander. Dazu schrammelt der bombastische musikalische Soundtrack von Trevor Rabin im Dauerfortissimo. Dass Spannung aus dem Kontrastieren verschiedener Stimmungen entsteht und Magie aus dem Missverhältnis zwischen dem, was man zu sehen glaubt, und dem, was man nicht sehen kann – das sind geschmäcklerische Feinheiten, für die sich Kracherproduzent Bruckheimer und sein Regieadjutant Turteltaub nicht interessieren. Die feuern lieber zwei Kinostunden aus vollen Rohren und manövrieren sich zielstrebig ins narrative Burn-out.

Meinung zum Thema

Kommentare

Der Film hat auch was von X-Men. Ich meinen den "Pyro".
Super Film, geile SE
Goethe hätte sich gefreut.
Danke

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