Kritik zu Die Entbehrlichen

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Außerhalb des deutschen Fördersystems entstanden: In seinem nur mit Eigenmitteln entstandenen ersten Film blickt der Schauspieler Andreas Arnstedt auf eine Familie, deren Leben von Arbeitslosigleit und Alkoholismus gezeichnet ist

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Wenn ein deutscher Film schon in seinem Titel ganz unverschämt seine Botschaft ausstellt, es im Vorspann heißt »nach einer wahren Begebenheit« und das Werk noch dazu in die alkoholgeschwängerte Welt jener führt, die man neudeutsch das »Prekariat« nennt, dann ist beim Betrachter meist Vorsicht am Platz. Doch Andreas Arnstedt umschifft in seinem Erstling die meisten Untiefen eines allzu billigen Sozialrealismus und versteht es, sich auf jenem Grat zu bewegen, wo Mitfühlen gerade noch möglich ist, aber Betroffenheit sich nicht aufdrängt.

Der 12-jährige Jacob (Oskar Bökelmann) gehört zu den Schülern, die nicht mit auf Klassenfahrt gehen können, weil das Geld fehlt. Oder, genauer gesagt, weil sein Vater Jürgen (André Hennicke) das Geld versoffen und für vorweihnachtlichen Krimskrams ausgegeben hat. Jürgen ist arbeitslos, hängt zu Hause rum, neigt zu Ausbrüchen und schlägt seine Frau Silke (Steffi Kühnert) und Jacob. Silke macht seit längerem heimlich eine Therapie bei den Anonymen Alkoholikern, und als sie nach einer Auseinandersetzung mit Jürgen ins Krankenhaus muss, will sie nicht mehr nach Hause. In einer grotesken Szene bringt Jürgen sich um. Und weil Jacob das Heim droht, versteckt er die Leiche hinter dem Sofa.

In geschickt verschachtelten Rückblenden erzählt »Die Entbehrlichen« die Szenen einer Ehe und den deprimierenden Alltag einer Alkoholikerfamilie, aber man spürt immer noch so etwas wie einen Zusammenhalt, ein Gefühl füreinander, das einmal größer gewesen sein muss. In einer Geste voller Zärtlichkeit legt sich Jacob neben seinen toten Vater, so als wäre nichts gewesen, als würde der Vater gleich aus seinem Schlaf erwachen. Einfühlsam hat Arnstedt auch die Beziehung Jacobs zu seiner Freundin Hannah, die aus der Mittelschicht stammt, in Szene gesetzt – sich aber bei den Nebenfiguren mitunter vergallopiert. Hannahs Eltern sind mit grobem Strich gezeichnet, und was der seltsame Alte (Mathieu Carrière) soll, versteht man auch nicht so recht.

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