Film des Monats Oktober: »Nowhere Special«

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Empfohlen von der Jury der Evangelischen Filmarbeit

John wird sterben. Bald. Der 33-jährige Fensterputzer aus Belfast ist todkrank. Aber John hat einen Sohn namens Michael, drei Jahre alt, den er allein erzieht. John hat keine Familie und keine Freunde als Beistand, weil er selbst in Waisenhäusern aufgewachsen ist und so hart und abweisend war, wie er es dort gelernt hat. Aber was wird aus Michael? Wo wird der kleine Junge leben? Um eine Lösung zu finden, gehen John und eine Vertreterin des Jugendamts einen ungewöhnlichen Weg: Sie besuchen mit Michael die unterschiedlichen Menschen, die ein Kind adoptieren wollen, damit John für sein Kind die bestmögliche Zukunft aussuchen kann. So erleben John und sein Sohn verschiedene Modelle wie die Patchwork-Familie, die Frau, die allein einem Kind ihre Liebe geben will, das reiche Paar, das sich einen Erben wünscht. Und sie erleben die verschiedenen Klassen, die in der britischen Gesellschaft nach wie vor stark ausgeprägt sind. 

Diese Prämisse klingt nach einer Konstruktion für sentimentale Effekte. Aber Regisseur und Drehbuchautor Uberto Pasolini vermeidet jeden Kitsch. Er verzichtet fast vollständig auf Musik, bleibt oft mit der Handkamera an den Menschen und deutet viele Gefühle und Überlegungen nur an. So entsteht der Eindruck von Realität und Ehrlichkeit. Denn Ehrlichkeit ist ein Thema des Films: John muss sich ehrlich eingestehen, dass er stirbt. Er muss sich ehrlich eingestehen, dass die Trennung von seinem Sohn kurz bevorsteht. Und er muss ehrlich mit seinem Sohn über den Tod reden. Alle diese Entscheidungen sind innere Kämpfe – James Norton in der Hauptrolle lässt den Zuschauer auf herzzerreißende Weise an diesen Kämpfen teilhaben. Und er macht einen fast vergessenen Typus wieder sichtbar, den Working-Class-Hero, den Arbeiter, der nicht bewundernd zu den Besserverdienenden aufblickt. Diese Menschen waren zuletzt in den 90er Jahren zu sehen, in »Brassed Off« und »Ganz oder gar nicht«, den Uberto Pasolini produziert hat. Damit ist »Nowhere Special« auch die Rückkehr eines starken Stücks britischer Filmgeschichte.

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