Deutscher Filmpreis: Triumph für »Gundermann«

Regisseur Andreas Dresen und das »Gundermann«-Team

Regisseur Andreas Dresen und das »Gundermann«-Team

Der Deutsche Filmpreis ist der mit drei Millionen Euro Preisgeld höchstdotierte deutsche Kulturpreis. In diesem Jahr triumphierte »Gundermann« von Andreas Dresen

Der frisch gebackene Präsident der Deutschen Filmakademie, der Schauspieler Ulrich Matthes, machte eine gute Figur. Es ist nicht leicht, in die Fußstapfen von Iris Berben zu treten, die dieses Amt erfolgreiche neun Jahre inne­hatte. Er beeindruckte bei der Verleihung der Lolas im Palais am Funkturm in Berlin durch eine programmatische Rede, in der er nicht nur für die im letzten Jahr gebeutelten Kinos als »Orte kultureller Bildung« eintrat und sich für den europäischen Gedanken aussprach, sondern auch seinen kreativen Kolleginnen und Kollegen ins Gebetbuch schrieb: »Werdet noch politischer, noch tollkühner!« Ohne ein mögliches Publikum aus den Augen zu verlieren, wie er dann noch hinzufügte.

Auch wenn Matthes die Varianz der von der Deutschen Filmakademie ausgewählten Filme betonte: Ein solcher Aufruf ist auch bitter nötig. Denn die Auswahl der Deutschen Filmakademie, die in einem mehrstufigen Prozess geschieht, wirkte in diesem Jahr dann doch eher gefällig. Für den Besten Spielfilm nominiert waren sechs Filme, und schon diese Nominierung bringt eine Summe von 250.000 Euro (die allerdings den Produzenten gehört und für den nächsten Film zu verwenden ist): »Gundermann« von Andreas Dresen, »Der Junge muss an die frische Luft« von Caroline Link, »Das schönste Mädchen der Welt« von Aron Lehmann, »Styx« von Wolfgang Fischer und »25 km/h« von Marcus Goller. Der mutigste Film in dieser Auswahl war sicherlich »Transit« von Christian Petzold, der den unter Flüchtenden während des Zweiten Weltkriegs spielenden Roman von Anna Seghers in das Marseille von heute verlegte. Am Ende ist dieser Film leer ausgegangen.

Denn, um einmal einen Fußballspruch abzuwandeln: Viele Filme laufen den Lolas hinterher, am Ende gewinnt doch »Gundermann«. Sechs Trophäen konnte Dresens Film holen – für zehn war er nominiert –, darunter die in den Königskategorien Bester Spielfilm (Lola in Gold), Beste Regie (Andreas Dresen) und Bestes Drehbuch (Laila Stieler). Sicher, »Gundermann« war der herausragende Film des letzten Jahres, vielschichtig erzählt, mit einer ambivalenten Hauptfigur, ein Film, in dem Gutes und Böses nicht ganz eindeutig sind. Man gönnt auch dem großartigen Alexander Scheer, der den Sänger kongenial und lebensecht verkörpert, die Lola als bester Hauptdarsteller. Und mit seinem Wende-Thema ist »Gundermann« auch der richtige Film in diesem Jahr, wenn wir 30 Jahre Mauerfall begehen. Aber diese Preishäufung hat immer einen schalen Beigeschmack, im letzten Jahr waren es bei »3 Tage in Quiberon« sieben Lolas.

»Seid neugierig auf Ungewohntes«, hat Matthes in seiner Rede zu Beginn der mit fast vier Stunden überlangen Zeremonie, durch die die Schauspielerin Désirée Nosbusch souverän und der Comedian Tedros Teclebrhan etwas zu selbstbezogen führten, gesagt. Das Ungewohnte hat die Filmakademie, deren 2000 Mitglieder am Ende des Nominierungsprozesses über die Filme und in den Kategorien abstimmen, gar nicht erst zugelassen. Ulrich Köhlers spröder ­Postapokalypsefilm »In My Room«, immerhin in Cannes gelaufen (wann schafft das ein deutscher Film schon mal?), kam nicht einmal in den Nominierungsprozess, genausowenig wie Jan Bonnys radikale Neonazi-Dreiecksgeschichte »Wintermärchen«, die letztes Jahr beim Filmfestival Locarno ihre Premiere hatte und dort für Aufregung sorgte. Und einer der schönsten – und mutigsten – Filme des letzten Jahres, »303« von Hans Weingartner, in dem nicht viel mehr passiert, als dass ein junger Mann und eine junge Frau on the road über die Liebe, den Kapitalismus und die Zukunft reden, hat den Sprung von der Vorauswahl in die finalen Nominierungen nicht geschafft. Schade.

Vier Lolas gewann auch »Styx«, darunter die Lola in Silber für den Besten Film. Und die Macher von »Der Junge muss an die frische Luft« gingen mit drei Trophäen nach Hause, darunter die für den besucherstärksten deutschen Film: Die Kerkeling-Adaption war mit 3,6 Millionen Besuchern der Überraschungserfolg der letzten Monate und ein Film, der der Filmwirtschaft wieder neue Hoffnung auf bessere Zeiten gegeben haben dürfte.

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