Kritik zu Wir sind die Nacht

© Constantin

2010
Original-Titel: 
Wir sind die Nacht
Filmstart in Deutschland: 
25.11.2010
L: 
100 Min
FSK: 
16

Der Kassenerfolg der »Twilight«-Saga hat gewiss dazu beigetragen, dass Regisseur Dennis Gansel – 14 Jahre nachdem er die Idee hatte – endlich seinen Vampirfilm realisieren konnte

Bewertung: 3
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Gleich die erste Sequenz zeigt, dass man trotz Genreverwandtschaft nicht mit Stephenie Meyers romantischer Vampir- und Liebesgeschichte konkurrieren will, sondern Drastischeres im Sinn hat: Wir sehen das Innere eines Flugzeugs in der Luft, Besatzung und Passagiere sind tot und blutüberströmt. Drei Frauen trinken Champagner, als gäbe es dieses grässliche Szenario nicht. Dabei haben sie es selber verursacht: Louise (Nina Hoss), Charlotte (Jennifer Ulrich) und Nora (Anna Fischer) sind Vampirinnen. Louise ist die Älteste – der Vorspann zeigt sie an der Seite Friedrichs des Großen –, Charlotte war ein Stummfilmstar und Nora eine Raverin. Sie genießen die Nacht. Shoppen, tanzen, Drogen, das ist ihre Welt, wenn sie nicht gerade Menschen das Blut aussaugen. In einer Disco erblickt Louise die Punkerin Lena (Karoline Herfurth) und hofft, in ihr die große Liebe zu finden. So gerät Lena zwischen die rauschhafte neue Existenz als Vampir und die Zuneigung des jungen Kommissars Tom Serner (Max Riemelt).

Dem entkam sie in der zweiten Sequenz des Films in einer ausgedehnten Verfolgungsjagd zu Fuß, mit der Dennis Gansel zeigte, dass er sich auf die physische Seite der Geschichte versteht. Immer wieder übersetzt der Film Verlangen in kinetische Energie, in rastlose Bewegung, die im Falle der Vampirinnen zugleich auch von einer inneren Leere erzählt.

Einerseits entwickelt sich der Film mehr und mehr zum Actionfilm, andererseits gibt es ein schönes gegenläufiges Moment in der Figur von Nora, die sich – Hemingways »Wem die Stunde schlägt« lesend – ihrer Melancholie hingibt. Das hinterlässt einen weitaus stärkeren Eindruck als Louises Changieren zwischen Verletzlichkeit und Härte. Dass man diese Härte vielfach ins Off verlagert hat, spricht für die Gestaltung des Films, der auch beim Zeigen der Fangzähne Zurückhaltung walten lässt, seine Spezialeffekte kontrolliert einsetzt und visuell höchst ansprechende locations in Berlin und Umgebung gefunden hat.

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