Kritik zu Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?

© Alamode Film

2018
Original-Titel: 
Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?
Filmstart in Deutschland: 
03.05.2018
L: 
94 Min
FSK: 
6

Kerstin Polte verwandelt Schmerz und Trauer über den Abschied von den Eltern in einen verspielt-skurrilen Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt

Bewertung: 3
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Charlotte (Corinna Harfouch) irrt orientierungslos durch den Baumarkt, ihre erwachsene Tochter Alex (Meret Becker) zappelt sich durchs Morgenchaos einer alleinerziehenden Mutter, ihre kleine Tochter Jo (Annalee Ranft) wiederum macht gute Kindermiene zu bösem Spiel und muss mit ansehen, wie sich ihre Katze aus dem Fenster stürzt. Und dann gibt es noch Charlottes Ehemann Paul (Karl Kranzkowski), der seine langsam in die Demenz abdriftende Frau auch mal über den Ladenlautsprecher ausrufen lässt, um anschließend mit der Leiter in der Drehtür steckenzubleiben. Lauter dezent frustrierte, sympathisch versponnene Alltagsantihelden. Als Alex und Paul wenig enthusiastisch auf Charlottes Vorschlag eines gemeinsamen Inselausflugs reagieren, macht die sich kurzerhand alleine auf den Weg, ihre Enkelin schlupft unbemerkt mit ins Auto. Tochter und Mann folgen auf verschlungenen Umwegen als Beifahrer im roten Riesenlaster, den Marion (Sabine Timoteo) über die Landstraßen steuert. So beginnt eine Irrfahrt durch Deutschland, die in einem ziemlich verrückten Hotel endet, in dem die Kommoden bemoost sind und die Wände malerisch morbide mit Patina versehen.

Das Leben als Ansammlung skurriler Begegnungen in malerisch fotografierten Szenerien, lose zusammengehalten von einem allwissenden Erzähler, der im Grunde aber auch nicht so genau weiß, wie sich dieses Chaos ordnen lässt. Nachdem Gott in der belgischen Version von Jaco Van Dormaels »Das brandneue Testament« ein schlecht gelaunter Familienvater war, ist er hier ein gutmütiger Sonderling, der die Geschicke der Welt von einem einsam gelegenen Inselhotel aus lenkt, in dem Hochzeiten und Todesfälle aller Art angebahnt werden. Was Charlotte und Paul betrifft, räumt er ein, einen Fehler gemacht zu haben. Als Paul ihm für diese Bemerkung eine schallende Ohrfeige verpasst, gibt er kleinlaut zu, dass er die schon lange verdient habe.

Auslöser für den Debütfilm von Kerstin Polte war die Diagnose einer schweren Krankheit bei ihrem Vater, mit all den widersprüchlichen Gedanken über Vergänglichkeit und Verlust, die dadurch angestoßen werden. Statt Schmerz und Trauer aber stellt sie einen sommerlich luftigen Aufbruch in eine neue Lebensphase in den Mittelpunkt, im knallroten Laster oder auf einer orangefarbenen Vespa, vorbei an saftig grünen Wiesen, weißen Schäfchenwolken und blauen Wellen. Aus dem Vater wurde bei ihr eine Mutter, die Corinna Harfouch wie einen lichten Ableger der depressiven Frau spielt, die sich in Hans-Christian Schmids »Was bleibt« einfach in den Wald verabschiedete. Mit deutlichen Anleihen bei Feelgood-Dramen wie «Die fabelhafte Welt der Amélie« und »Little Miss Sunshine« wirkt der Film bisweilen ein wenig forciert pittoresk, die Um- und Abwege erscheinen einen Hauch zu konstruiert, die lebensphilosophischen Sentenzen ein wenig wie Poesiealbumsprüche – ein Manko, das vom unprätentiös wahrhaftigen Spiel der Darsteller aber weitgehend abgefangen wird.

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