Kritik zu Mord ist mein Geschäft, Liebling

© Warner Bros.

Als Screwballkomödie – mit Legenden wie Franco Nero und Bud Spencer in den Nebenrollen illuster besetzt – versteht sich der neue Film von Sebastian Niemann und bringt sich damit in die nicht unbedingt vorteilhafte Nähe berühmter Vorbilder

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Rick Kavanian, der unerschrockene Mitstreiter von Michael »Bully« Herbig aus »Der Schuh des Manitu«, »(T)Raumschiff Surprise« und der »Bullyparade«, spielt den aalglatten Auftragskiller Toni Ricardelli. Dass er mit seinem Beruf Schwierigkeiten hat, eine Frau fürs Leben zu finden, versteht sich von selbst. Eines Tages bekommt er den Auftrag, den ehemaligen italienischen Mafioso und Bestsellerautor Enrico Puzzo (ausgelassen und albern gespielt von dem in die Jahre gekommenen »Django«-Darsteller Franco Nero) zu beseitigen, damit dessen Memoiren in Buchform nicht erscheinen können. Aber genau das soll die tolpatschige Berliner Verlagsangestellte Julia Steffens (Nora Tschirner) sicherstellen. Um der schönen jungen Dame nah zu sein, gibt sich der spontan verliebte Profikiller Ricardelli als der gejagte Erfolgsautor Puzzo aus. Denn der ist inzwischen fachgerecht von ihm selbst liquidiert und entsorgt worden. Schon bald hetzt Puzzos Rivale, der Mafiaboss Salvatore Marino (Günther Kaufmann, kürzlich noch im australischen TV-Dschungelcamp bei RTL zu sehen), eine Horde von Killern hinter Ricardelli her, die nebenbei das Brandenburger Tor zerstören dürfen.

Formal orientiert sich Regisseur und Autor Sebastian Niemann (»Hui Buh – Das Schlossgespenst«) an der Filmästhetik amerikanischer Beziehungskömodien der sechziger Jahre. Auch die Besetzung der beiden Italo-Film-Ikonen Franco Nero und Bud Spencer zeugt von einer sehnsüchtigen Rückbesinnung an die guten alten Zeiten unbeschwerten Kinogenusses. Doch was damals so wunderbar funktionierte, will in »Mord ist mein Geschäft, Liebling« durch die Anhäufung von verbrauchten Klischees nicht so recht gelingen. Der charmante Witz der Vorlagen wird mit allzu plattem Holzhammerklamauk torpediert. Was natürlich nicht ausschließt, dass man selbst seriöse Kritikerkollegen bei dem einen oder anderen abgedroschenen Schenkelklopfer beim Lachen erwischt. Schließlich muss es nicht immer Kaviar sein.

Aus der reizenden Nora Tschirner ist auch nach ihrer Filmrolle in Til Schweigers Erfolgsfilm »Keinohrhasen« keine wirklich große Schauspielerin geworden. Und das, obwohl Herr Schweiger sie für »eine der besten Schauspielerinnen in Deutschland« hält. Aber der trampelig rotzige Charme der ehemaligen MTV-Moderatorin verleiht dem Film eine gewisse Natürlichkeit, die er gut gebrauchen kann. Denn oft wirkt das vermeintliche Gagfeuerwerk allzu überkonstruiert. Eine ziemlich traurige Figur macht hingegen der einst so schlagfertige Italo-Western-Titan Bud Spencer, der mit seinem Schauspielpartner Terence Hill die europäische Trivialfilmkultur der siebziger Jahre dominierte. Hier spielt er Ricardellis alten Freund Pepe, der als Ghostwriter die Memoiren des toten Mafioso schreiben muss. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Franco Nero ist der einstige Kraftprotz Bud Spencer gesundheitlich so angeschlagen, dass er meist nur im Sitzen und mit dunkler Sonnenbrille ins Bild geschoben werden kann. Die Filmminuten mit dem gealterten Star stimmen traurig. Zum Lachen ist einem da nicht zumute.

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