Kritik zu Lippels Traum

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Wenn Träumen hilft, die Wirklichkeit zu bewältigen: Lars Büchel verfilmt ein Kinderbuch von Paul Maar

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Kann Träumen helfen, die Wirklichkeit besser zu bewältigen? Paul Maar bejaht das in seinem Roman »Lippels Traum«, und auch dessen zweite Verfilmung (die erste entstand 1990) folgt ihm darin.

Der elfjährige Philipp, genannt Lippel, lebt mit seinem Vater Otto in der Stadt Passau. Als Otto auf Geschäftsreise geht, überlässt er Lippel der neuen Haushälterin, Frau Jakob. Die entpuppt sich als höchst pedantisch und nimmt ihm sogar das Buch mit den »Märchen aus tausendundeiner Nacht« weg, das ihm sein Vater zum Abschied geschenkt hat. Doch Lippel träumt die darin angefangene Geschichte einfach weiter.

Dabei ist er in der Welt des alten Orients selber eine der handelnden Figuren und viele der handelnden Personen aus der Gegenwart haben ihre Doppelgänger in der Traumwelt – mit jeweils ganz ähnlichen Charakterzügen. So wird Lippels Vater zum guten König und die Haushälterin zu dessen intriganter Schwägerin, die vor nichts zurückschreckt, um den Platz auf dem Thron einzunehmen. Selbst der herrenlose Hund, der Lippel immer wieder auf der Straße begegnet und den er schließlich mitnimmt und in der Wohnung vor der Haushälterin versteckt, taucht im Traum auf.

Je mehr der häusliche Kleinkrieg mit der Haushälterin eskaliert, desto dramatischer wird auch das Traumgeschehen: die intrigante Tante nimmt den König beim Wort, so dass der seinen eigenen Sohn Arslan in die Wüste hinausschicken muss, als man unter dessen Kopfkissen ein gestohlenes Buch findet – das natürlich von der Tante dort platziert wurde. Und weil die ahnt, dass der König seine Kinder schließlich wird zurückkehren lassen, beauftragt sie einen ihrer Vertrauten damit, dafür zu sorgen, dass die Kinder das nicht tun werden. Mit der gelben Regenjacke, die er trägt, als er in das Traumgeschehen stürzt, ist Lippel ein Fremdkörper in dieser Welt, doch bald lernen die beiden Königskinder ihren neuen Gefährten schätzen, etwa, wenn er mittels einer mitgebrachten Taschenlampe ein wenig Magie erzeugen kann, die sich in klingende Münze umsetzen lässt, was ihnen wiederum das Überleben sichert. Das ist einer der prägnantesten Momente des Films, weil er zugleich vom Nutzen heutiger Gegenstände in der Vergangenheit erzählt als auch die so einfache Herstellung eines magischen Moments beschwört.

Insgesamt mag die Parallelisierung von realer und Traumwelt ein wenig zu mechanisch geraten sein und Frau Jakobs Plan, Lippels Vater zu umgarnen und den Sohn in ein Internat abzuschieben, erscheint ziemlich unrealistisch, wenn sie sich gleich zu Beginn mit dem Sohn anlegt und dessen Kommunikation mit seinem Vater gewaltsam unterbindet. Dafür gefällt, dass Anke Engelke als Frau Jakob ihre Bosheit mit einem Zucken ihrer Mundwinkel ausdrücken kann. Dass Uwe Ochsenknecht als Konrektor von Lippels Schule wie eine Karikatur wirkt, kann man akzeptieren, weil Lars Büchel ihn, wenn er den zu spät kommenden Lippel ermahnt, stets in derselben Nahaufnahme zeigt, die zu einem Running Gag des Films wird.

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