Kritik zu Halbe Brüder

© Universal Pictures

In Christian Alvarts komödiantischem Roadmovie gehen drei Halbbrüder, darunter Rapper Sido, auf die Suche nach dem Erbe ihrer Mutter und entdecken ihre Wurzeln

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2 (Stimmen: 1)

Die Suche nach den familiären Wurzeln ist ein beliebtes Komödienthema, schon weil so viele gagverdächtige Leute, Milieus und Themen hineingepackt werden können. In diesem Roadmovie wird mit drei ethnisch verschiedenen Halbbrüdern, die gemeinsam auf die Suche nach ihren Vätern gehen, das Spektrum noch vergrößert. Theoretisch ist die Botschaft klar: Es geht um die Anerkennung multikultureller Identitäten und um die Beglaubigung Deutschlands als Einwanderungsland. Am Ende muss bewiesen sein, dass wir alle Brüder sind, irgendwie. Praktisch aber erschöpft sich die Handlung in einer Aneinanderreihung von mal mehr, mal weniger amüsanter Episoden, die so mühsam verdrahtet sind, dass man fast das »ach, egal« der Drehbuchautoren hört.

Quelle des Unfugs ist eine Nonne mit bewegtem Vorleben, die drei Babys in die Welt gesetzt und verlassen hat. Nach ihrem Tod lernen sich beim Notar der Betrüger Julian (Sido), Rapper Addi (Tedros Teclebrhan) und Firmenerbe Philip (Fahri Yardim), der sich als gebürtiger Yasin entpuppt, kennen. Auf einer mütterlichen Postkarte aus den Sechzigern ist der Hinweis auf ein Erbe von 120.000 Euro versteckt. Julian, der bei einem Gangsterboss tief in der Kreide steht, geht mit seinen Halbbrüdern auf die Suche nach dem Geld – was, von einem Hinweis zum nächsten, zu den jeweiligen Erzeugern führt. Quer durch die Republik, so weit das Geld der jeweiligen Landesfilmförderung reicht.

Der Plot ist oft so an den Haaren herbeigezogen, dass er schon wegen des unbekümmerten Überraschungseffektes Spaß macht. Christian Alvart, der durch den stilbewussten Serienkiller-Thriller Antikörper bekannt wurde, entwirft z. B. eine surreale Untergrund-Parallelwelt, aus der heraus ein Inkassoeintreiber im rosa Kaninchenkostüm das Trio bis nach Fehmarn verfolgt. Zweiter Running Gag ist ein bekannter Schlagersänger, dessen Schunkelhit »Ein bisschen Spaß muss sein« ein Rap-Update bekommt. Dass Musik als generationen- und milieuübergreifendes Element der Verständigung dient, verwundert nicht. Schließlich spielen Rapper Sido und Tedros Teclebrhan, der als YouTube-Comedian bekannt wurde, mit. Die beiden It-Boys bleiben schauspielerisch blass, bekommen aber mit Fahri Yardim als zimperlichem Yasin einen markanten Charakter zur Seite gestellt.

So hat die Komödie einiges im Angebot, das politisch brenzlig ist und sich komödientechnisch unter der Gürtellinie befindet: schwule Türken, schwarze Kleinkriminelle mit »Gangsta«-Attitüde, aber auch Toilettenhumor und Splatter – eine »Bromance«, in der mit brachialer Konfrontationstherapie Vorurteile und Tabus abgehakt werden. Der blinde Fleck dieser Komödie sind die Frauen, die bloße Storykrücken darstellen. Dabei wird das Loser-Motto »Alles Schlampen, außer Mutti« beherzt über den Haufen geworfen. Stattdessen bekräftigen die Filmemacher nicht nur das reaktionäre Hure-Heilige-Schema – hier als Hippiehure-Heilige-Kunstfigur modernisiert –, sondern nutzen es als kleinsten gemeinsamen Nenner und Integrationsmittel. Ein ziemlich finsterer Lösungsvorschlag.

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