Kritik zu The Equalizer

© Sony Pictures

Mit Training Day (2001) verhalf Regisseur Antoine Fuqua seinem Hauptdarsteller Denzel Washington zum ersten Hauptrollen-Oscar. Nun bringt die Leinwandadaption der 80er-Jahre-Serie die beiden erneut zusammen

Bewertung: 3
Leserbewertung
3.5
3.5 (Stimmen: 2)

Ein Actionfilm, der mit einem Zitat von Mark Twain beginnt: Das klingt ambitioniert. Wenn sich der Regisseur außerdem 140 Minuten Zeit nimmt für eine Geschichte, für die mit einem Charles Bronson zu dessen Glanzzeit knapp 90 gereicht haben, strebt er zweifellos nach höheren erzählerischen Weihen. Antoine Fuquas The Equalizer basiert auf der gleichnamigen Fernsehserie aus den 80er Jahren, in der der Brite Edward Woodward einen Exgeheimdienstler verkörperte, der sich im New York Ed Kochs, wo hinter jeder Straßenecke ein Kleinkrimineller lauerte, mit unkonventionellen Eingreifmethoden der Verbrechensbekämpfung widmete. Die Titelsequenz der Serie war ein mustergültiger Werbefilm für urbane Paranoia.

In der Kinoadaption ist lediglich die Prämisse der Serie übrig geblieben, die Handlung wurde nach Boston verlegt. Dafür hat sich Fuqua dreizehn Jahre nach Training Day erneut mit Denzel Washington zusammengetan. Washington strahlt heute mehr denn je eine natürliche Autorität aus, mit der man ihm wohl jede Rolle abnehmen würde – selbst die eines ehemaligen Elitesoldaten (wie in der Serie heißt er McCall), der nach seinem vorgetäuschten Tod als Verkäufer in einem Baumarkt eine ruhige Kugel schiebt. Seine morgendlichen Alltagsroutinen weisen ihn als zwanghaft aus, nachts sitzt er mit einem Klassiker der amerikanischen Literatur im Diner an der Straßenecke, weil ihn sein früheres Leben nicht mehr ruhig schlafen lässt. Manchmal leistet ihm nach Ende der Spätschicht die minderjährige Prostituierte Teri (Chloë Grace Moretz) Gesellschaft. Als das Mädchen wiederholt von seinem Zuhälter verprügelt wird, beschließt McCall, mit seinem Zivilistenkodex zu brechen. Er beginnt einen Privatkrieg mit der Ostküstenniederlassung der Russenmafia. Nur 28 Sekunden – er stoppt sich selbst dabei – benötigt er für seine ersten fünf Opfer; er ist noch etwas eingerostet. Der Oligarch in Moskau schickt als Antwort einen Ausputzer im feinen Zwirn: Teddy (Marton Csokas), auch ein Exmilitär, das russische Pendant zu McCall, allerdings in der psychopathischen Variante.

Fuqua erweist sich erneut als virtuoser Actionstilist, der auch reaktionären Dreck mit den schönsten Bildern verkaufen kann. Dass er den Erzählbogen bisweilen etwas überspannt, macht den frivolen Reiz von The Equalizer aus. Wer auf die irre blutigen, torture porn-artigen Zweikämpfe wartet, muss zwischendurch viel »Handlung« in Kauf nehmen, denn der Film gibt sich einige Mühe, damit der Zuschauer auch Empathie zu seiner Hauptfigur entwickeln kann: Außerhalb der Action hilft McCall einem übergewichtigen Kollegen bei dessen Prüfung zum Wachmann und gibt der jungen Prostituierten Teri Lesetipps. Der Showdown an McCalls Arbeitsplatz – Stirb Langsam im Baumarkt – ist eine inspirierte Drehbuchidee. Er dauert lange genug, um das umfangreiche Angebot an Werkzeugen an den Schergen der Russenmafia zu testen. Gartengeräte, die man nie zuvor gesehen hat. Für einen humorlosen Actionfilm hat The Equalizer hier erstaunlich viele komische Momente.

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