Kritik zu Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus!

© Constantin Film

In Leander Haußmanns neuer Komödie, einem »Lena Braake«-Remake, zockt eine Greisenclique die Bank ab

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Ist Parkinson-Zittern komisch? Sind Diabetiker am Rande des Komas eine Lachnummer? Immer feste druff, lautet das Motto dieser Seniorenkomödie. Doch Leander Haußmann will sich nicht über die Gebrechen alter Leute lustig machen, sondern darüber, wie sie damit umgehen – wie sie aus der Not eine komödiantische Tugend machen. Da bleibt es nicht bei der oft gesehenen Pointe, dass ein pfiffiger Greis im Altersheim so tut als sei er dement, sondern es gibt durchaus Slapstick mit Urinbeuteln. Alte Knacker beschimpfen sich, dass einem die Ohren klingen. Einer Rollstuhlfahrerin, die andere verpfeift, wird das Gebiss ausgerissen, das später woanders Verwendung findet. Nur kein Mitleid: sie war einst bei der Stasi.

Auch wenn bei dem Bombardement boulevardesker Gags manchmal das Fingerspitzengefühl fehlt, demonstriert Leander Haußmann, dass er auch Galgenhumor »kann«. So ist die Screwball-Verjüngungskur, die er dem sozialkritischen Klassiker »Lena Braake« angedeihen lässt, öfter erfrischend als peinlich, setzt jedoch andere Akzente als die mit dem Filmpreis ausgezeichnete Siebziger-Jahre-Komödie. Die Umbenennung in »Dinosaurier« – die abschließende Pointe ist aus »Leoparden küsst man nicht« geklaut – macht daraus keinen Hehl. Dass das Gebaren eines jungen Bankers, der Lena einen faulen Kredit aufschwatzt, an die Finanzkrise erinnert, ist unvermeidlich, aber nicht das Hauptanliegen des dynamischen Plots.

Tatsächlich erscheint Lina Carstens im Original, als altes Mütterchen mit Kapott-Hütchen und gebrochener Stimme, im Nachhinein auch als etwas kitschige Figur. Eva-Maria Hagens Lena dagegen ist eine ziemlich bissige alte Dame, die als ehemalige Lehrerin auch ein rechter Besen sein konnte, wie ehemalige Schüler bezeugen. Sie ist nicht, wie im Original, gekündigte Mieterin, sondern eine Hausbesitzerin, die von dem Banker ruiniert wurde und deshalb ins Altersheim übersiedeln muss. Zum Happy-End, soviel sei verraten, befindet sie sich auch nicht auf Sardinien, sondern in der Karibik – im Bikini: 70 sind die neuen 50. Doch in der Hauptrolle trumpft Leander Haußmanns Vater Edzard auf, der als vermeintlicher Alzheimer-Patient und greiser Schwerenöter Johann Schneider (sic!) seine Erfahrungen als Bankrotteur nutzt, um den Rachefeldzug gegen Lenas Bank zu orchestrieren. Er gibt die Rampensau, doch noch mehr Oldies dürfen sich in deftigen Nummern austoben. Tom Gerhardt als schleimiger Direktor und Daniel Brühl als Bank-Fuzzi werden angesichts der spielfreudigen Altstars fast zu Statisten degradiert. Nadja Tiller spielt die femme fatale des Heims, und auch bei Walter Tiller, Ralf Wolters und der zahnlos mümmelnden Ingrid Van Bergen macht das Wiedersehen Freude.

Wie oft bei Haußmann tut er zwar des Guten zuviel und legt über die ohnehin überwürzte Mischung aus schrillem Klamauk und inspirierter Komik die penetrant Fröhlichkeit einfordernde Swingmusik von James Last. Spaß macht die kurzweilige Senioren-Sause trotzdem.

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