Kritik zu Das Pubertier – Der Film

© Constantin Film

2017
Original-Titel: 
Das Pubertier – Der Film
Filmstart in Deutschland: 
06.07.2017
A: 
L: 
91 Min
FSK: 
6

Leander Haußmann verfilmt das populäre Buch von Jan Weiler über die schwierige Zeit im Leben von Eltern und Kindern

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»Die Pubertät«, so heißt es, »ist die Zeit, in der die Eltern anfangen schwierig zu werden.« Es scheint, dass dieses Motto bei der Übertragung des Bestsellers von Jan Weiler auf die Leinwand eine Art Richtlinie vorgegeben hat. Hannes (Jan-Josef Liefers) ist grenzenlos überfordert, seine Tochter Carla (Harriet Herbig-Matten) in dieser schwierigen Lebensphase von Sex, Parties und anderen Freiheitsbewegungen fernzuhalten. In peinlicher Weise stapft er von einem Fettnäpfchen ins nächste, liest Claras Tagebuch, spioniert durchs Fenster und schenkt ihr eine symphonische Konzertkarte zum Geburtstag plus väterliche Begleitung.

In dem prominent besetzten Film von Leander Haußmann geht es drunter und drüber und jeder, der Kinder hat, oder sich an die eigene Pubertät erinnern kann, wird sich wie in einem Teilchenbeschleuniger fühlen. Denn Haußmann lässt nichts aus, was die Wunderkiste des Slapsticks bereithält. Das Rosenspalier, an dem Hannes hochgeklettert ist, um ins Fenster seiner Tochter zu schauen, bricht natürlich unter ihm zusammen, der Joint, den sein Freund, der von der Pubertät seines Sohnes aber völlig entnervte Kriegsreporter Holger (Detlev Buck) mitgebracht hat, landet bei der Polizei und Hannes schließlich unter Claras Bett. Die Situationen sind übertrieben, aber zu wahrhaftig, um einen absurden Humor zu entfalten. In dieser Falle steckt der ganze Film. Wenn Leander Haußmann die Sinneswandlungen des »Pubertiers« gelungen durchspielt, von vegetarisch zu vegan und dann zum Fan nicht allzu harter Butter, dann braucht er dafür keine zwei Minuten. Doch in den einzelnen Szenen der Peinlichkeit badet er. So gerät der Film rhythmisch in eine Schieflage, die nicht nur bei den roten Aknekratern im Gesicht der Jungs endet, sondern bei der Überforderung des Zuschauers. Man wünscht sich einen etwas subtileren, einen versteckten Humor, der einen etwas weniger phänomenologischen Umgang mit der Pubertät ermöglicht hätte.

Aber sei's drum. Leander Haußmann hat immer schon sehr unterschiedliche Filme gedreht. Zwischen dem äußerst gelungenen »Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe« und dem wunderbar absurd-skurrilen »Hai-Alarm am Müggelsee« hat auch »Das Pubertier« noch Platz. Warum also keine Mainstream-Komödie mit Starbesetzung? Die Umsetzung der angespannten Atmosphäre zwischen Eltern und Kindern ist dabei noch mehr oder weniger gelungen, weil Haußmann seinen Darstellern weitestgehend freie Hand lässt. Buck ist Buck und Liefers ist Liefers. Dazu Heike Makatsch, Monika Gruber und Justus von Dohnányi in typischer Manier, aber immer hochprofessionell. Man liegt sicher nicht falsch, wenn man dem Film gerade an den Stellen, an denen er entgleitet, eine Absicht unterstellt, die Massenunterhaltung garantieren soll. Und die Rechnung wird an den Kinokassen sicher aufgehen, dafür sorgt schon der Ruf der Bestsellervorlage von Jan Weiler, der auch am Drehbuch mitschrieb. Pubertät ist ein Thema, das schließlich irgendwie alle ­angeht. Deshalb ist der Film nicht nur »unseren Kindern«, sondern auch »unseren Eltern« ­gewidmet.

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