Film des Monats November: »Große Freiheit«

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Empfohlen von der Jury der Evangelischen Filmarbeit

Knatterndes Projektorengeräusch, wackelige, unscharfe Bilder einer Männertoilette – Beweismaterial in der Gerichtsverhandlung gegen Hans Hoffmann. »Widernatürliche Unzucht nach Paragraf 175«. Das Urteil: 24 Monate Haft – es ist das Jahr 1968. Im Gefängnis geht die routinierte Maschinerie ihren Gang. Schnell wird klar, Hans kennt sich aus, trifft auf den ehemaligen Zellenkumpan Viktor. Unauffällig schaut Hans sich um, sein Blick fällt auf einen jungen Mithäftling. Leo sitzt aus den gleichen Gründen wie er. Hans schreitet ein, als Leo beim Hofgang von Mithäftlingen herumgeschubst wird. Das befördert ihn sofort in dunkle Isolationshaft. Viktor spielt ihm heimlich eine Zigarette zu. Hans zündet sie langsam an und erinnert sich: Rückblende 1945. 

Damals ging es Hans ähnlich – Ablehnung und Einsamkeit, als er ins Gefängnis kam. Auch der homophobe Viktor lehnt den Neuen vehement ab. Und doch entsteht zwischen den beiden eine anfangs fragile Bindung, die beginnt, als Viktor die eintätowierte Nummer auf Hans' Unterarm entdeckt. Viktor bietet an, die Nummer mit einem Tatoo zu verdecken. Hans muss »nur« noch vier Monate absitzen, da er bereits von den Nazis wegen seiner Homosexualität verfolgt wurde und den Hauptteil der Strafe im Konzentrationslager verbüßt hat. Hans kommt und geht, Viktor bleibt als Konstante im Gefängnis.

Regisseur Sebastian Meise erzählt in Zeitsprüngen eine eindringliche Geschichte über Männerliebe und Freundschaft, über Lebensmut und Menschlichkeit in einer Umgebung, die darauf angelegt ist, genau dies zu unterbinden. »Große Freiheit« ist kein Gefängnisfilm im herkömmlichen Sinn, der Gewalt von Insassen in den Vordergrund stellt. Er fokussiert sich auf die Menschen, die kleinen und großen Gesten im Angesicht von staatlicher Gewalt, zeigt Momente von Glück und großer Nähe in der rauen Wirklichkeit. Darüber hinaus thematisiert der Film die Kriminalisierung von Homosexuellen, die erst unter den Nazis verfolgt und 1945 vom Konzentrationslager nahtlos ins Gefängnis gesteckt wurden. 

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