Disney+: »Furious«

»Furious« (Serie, 2026). © Disney

»Furious« (Serie, 2026). © Disney

Eine Serienmörderin jagt Männer in dieser ebenso packenden wie wütenden Thrillerserie über sexuelle Gewalt, Machtmissbrauch und die Grenzen der Selbstjustiz

Gewaltverbrechen und Serienmorde, wohin das Auge reicht. Kein Genre ist auf unseren Bildschirmen so omnipräsent wie Krimis und Thriller, und nicht unberechtigterweise wird in dieser Hinsicht mitunter kritisiert, dass das Übermaß an Brutalität gegenüber Frauen dabei die Grenzen des Erträglichen längst überschritten hat. Zumindest in dieser Hinsicht stellt nun »Furious« eine Ausnahme dar. Denn hier ist die Killerin weiblich – und ihre Opfer sind (überwiegend) Männer.

Das Vorgehen von Wiederholungstäterin Catherine (Lola Petticrew) ist perfide: Sie attackiert die Männer in ihren eigenen Wohnungen, setzt sie unter Drogen und lässt sie tagelang schwächer werden, bevor sie sie schließlich ermordet. Nach und nach arbeitet sie eine Liste potenzieller Opfer ab, motiviert durch Dinge, die ihr als Teenagerin durch wohlhabende Männer widerfahren sind.

So viel darf an dieser Stelle bereits über den Plot und die junge Serienmörderin verraten werden, weil nicht nur die Zuschauer*innen früh in den acht Folgen der Serie an diese Infos kommen, sondern auch die ehrgeizige niederrangige FBI-Agentin Alice (Emmy Rossum). Die ehemalige Polizistin verbeißt sich, unterstützt durch ihren Ex-NYPD-Partner (Scoot McNairy), nicht ausschließlich aus beruflichen Gründen in den Fall. Sie hat selbst Gewalterfahrungen und ihren Job gewechselt, um der brutalen Beziehung zu einem früheren Kollegen (Jake Lacy) zu entkommen.

Die Idee zu »Furious« hatte Hauptdarstellerin Rossum selbst, inspiriert durch den 80er-Jahre-Thriller »Die schwarze Witwe« von Bob Rafelson. Doch in der Zusammenarbeit mit Showrunnerin Elizabeth Meriwether, deren bisherige Serien von »New Girl« über »The Dropout« bis »Dying for Sex« tonal eine große Bandbreite abdeckten, ist nun etwas entstanden, das nur noch vage an diese Vorlage erinnert.

»Furious« ist ein packend inszenierter Thriller, dessen Drehbücher allerlei Überraschungen auffahren und dabei nur hin und wieder überfrachtet wirken. Gleichzeitig ist die Serie aber auch eine facettenreiche und wütende Auseinandersetzung mit den Traumata sexueller Gewalt und den strukturellen Unzulänglichkeiten des Strafjustizsystems. Über allem liegt der Schatten des Systems Epstein, wobei Meriwether ihren Fokus dankenswerterweise nicht auf die Männer darin richtet.

Vielleicht wären zwei Episoden weniger nicht schlecht gewesen, hier und da hakt es ein wenig in der Spannung. Rein gar nichts einzuwenden gibt es allerdings, was die schauspielerischen Leistungen angeht. Zumal hier Darsteller*innen am Werk sind, die mehr Aufmerksamkeit verdienten: Rossum ist auch nach 30 Jahren in der Branche notorisch unterschätzt, Petticrew trotz Serien wie »Say Nothing« viel zu unbekannt. Und eine besondere Erwähnung verdient Quincy Tyler Bernstine als hartgesottene FBI-Kollegin.

OV-Trailer

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