Film des Monats Januar: »Parallele Mütter«

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Empfohlen von der Jury der Evangelischen Filmarbeit

Wieder sind es die Mütter, die bei Pedro Almodóvar im Mittelpunkt stehen. »Parallele Mütter« erzählt von zwei Frauen aus unterschiedlichen Generationen. Janis ist eine erfolgreiche Fotografin Ende dreißig, die ungeplant schwanger wird und ihre Schwangerschaft aus vollstem Herzen bejaht. Die 17-jährige Ana, selbst fast noch ein Kind, erlebt ihre Schwangerschaft hingegen mit gemischten Gefühlen. Von einer Gruppe junger Männer wurde sie zum Sex gezwungen, sie weiß nicht, wer der Vater ihres Kindes ist. Ihre eigene Mutter, eine selbstbezügliche Schauspielerin, die dem Erfolg hinterherjagt, bietet ihr kaum Unterstützung. Ana und Janis begegnen sich auf der Entbindungsstation. Mit der Geburt der Töchter verweben sich die Schicksalsfäden der beiden Frauen. Dass ihre Tochter weder dem Kindsvater noch ihr selbst ähnlich sieht, veranlasst Janis, mittels eines DNA-Test prüfen zu lassen, wer die biologische Mutter ist. 

Ein Stoff wie gemacht für das Melodram oder eine veritable Seifenoper, von Pedro Almodóvar so gekonnt und stilistisch eindrucksvoll inszeniert, dass es ein wahrer Genuss ist. Doch in »Parallele Mütter« geht es um mehr. Janis hat ein familiengeschichtliches Anliegen. Ihr Urgroßvater wurde, wie Hunderttausende Menschen, während des Spanischen Bürgerkriegs von den Falangisten um General Franco erschossen. Janis möchte, dass der forensische Anthropologe Arturo das Massengrab in ihrem Heimatdorf ausheben und die dort vermuteten Überreste der ermordeten Männer identifizieren lässt. Während die junge Ana meint, man solle die Vergangenheit ruhen lassen, will Janis den Geburtsfehler des heutigen demokratischen Spaniens korrigieren: Sie will das auch nach dem Tod Francos im Jahr 1975 fortgesetzte Schweigen über die Verbrechen der Falangisten brechen. Damit greift Almodóvar ein höchst aktuelles Thema auf, ist doch Spanien derzeit damit beschäftigt, die vielen namenlosen Gräber aus der Zeit des Bürgerkriegs zu öffnen, um den Hinterbliebenen späte Genugtuung zu verschaffen und das Geschichtsbewusstsein des Landes zu erneuern.

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