Nachmittage der Einsamkeit

Albert Serras erster Dokumentarfilm geht mit einigen namenlosen Stieren und einem berühmten Torero fast immersiv in die Arenen diskursiv scharf umkämpften Terrains.

Muxmäuschenstillˣ

Jan Henrik Stahlbergs Film überwältigt das Publikum mit einem wilden Stilmix, um die missionarische Mission eines Mannes im Kampf gegen den Neoliberalismus zu bebildern. Das gestaltet sich mal mit effektvoll inszenierter Komik, mal mit zäher thesenhafter Rhetorik.

Monsieur Aznavour

Ohne rechte Ecken und Kanten erzählt das Regieduo Mehdi Idir und Grand Corps Malade das märchenhafte Leben des Chansonniers Charles Aznavour nach. Hübsch anzusehen, dabei wohlwollend erzählt und konventionell inszeniert.

Der Meister und Margarita

Michail Lockshin macht in seiner Bulgakow-Adaption deutlich, dass es um Zensur, die Natur von Gut und Böse, die Macht von Liebe und Kunst sowie um die Feigheit der Intellektuellen in einem totalitären Regime geht. Das ist alles ein bisschen viel, entzieht sich aber auf angenehme Weise der einfachen Aktualisierung und Erklärung.

Mein Platz ist hier

Eindringlich, mit wachem Blick für Zeitkolorit und die soziale Atmosphäre der kalabrischen Provinz schildert das Regiegespann Daniela Porto/Cristiano Bortone den Kampf einer alleinerziehenden Mutter für Selbstbestimmung. In der empfindsamen Adaption von Portos Roman steht ganz Italien vor dem Aufbruch in eine freiere Zukunft, als bei der Wahl 1946 zum ersten Mal auch Frauen ihre Stimme abgeben können.

Die Legende von Ochi

Ein Mädchen – »Systemsprengerin« Helena Zengel – entkommt der väterlichen Fuchtel, indem es in den Wald flüchtet und mit einer sagenumwobenen Kreatur Freundschaft schließt: ein metaphernüberladenes handgemachtes Märchen, im Ganzen leider weniger als die Summe seiner kreativen Teile.

Last Breath

In der Spielfilmversion seiner Dokumentation liefert Alex Parkinson faszinierende Einblicke in einen der gefährlichsten Jobs der Welt, verbunden mit der Spannung eines Survival-Thrillers in den unwirtlichen Tiefen der Nordsee.

Kein Tier. So Wild.

Burhan Qurbanis Adaption von Shakespeares »Richard III.« ist eine wagemutige, hoch stilisierte Mischung aus klassischem und modernem Stoff, Theater und Film. Überbordend an ästhetischen Mitteln und beeindruckend gespielt.

Islands

Ein britischer Hotel-Tennislehrer hilft einer Touristin bei der Suche nach ihrem verschwundenen Mann. »Islands« spielt geschickt mit Film-noir-Motiven, aus denen er die subtile Geschichte einer Sinnsuche entwickelt. Das ist manchmal etwas ermüdend, bleibt aber immer atmosphärisch und vor allem großartig gespielt.

Grüße vom Mars

Ohne Kitsch erzählt Sarah Winkenstette von dem autistischen Tom, der gemeinsam mit seinen Geschwistern in einem Sommerurlaub bei den Großeltern über sich hinauswächst. Berührend, witzig und wohltuend unsentimental.

Seiten

epd Film RSS abonnieren