Kritik zu Dreams – Gefährliches Verlangen

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Der mexikanische Regisseur Michel Franco entwirft eine kühle Auseinandersetzung um Leidenschaft, Geld, Machtgefälle, Abhängigkeiten, Privilegien und was dies mit einer ungleichen Beziehung macht.

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Fernando Rodríguez hat es geschafft, zumindest dem Anschein nach. Dem jungen, von Isaac Hernández gespielten mexikanischen Balletttänzer ist es gelungen, illegal über die Grenze in die Vereinigten Staaten zu kommen. Er hat den Transport in einem Lkw-Container und die Stunden überlebt, in denen der Lkw unter einer sengenden Sonne irgendwo in der Wüste gestanden hat. Danach hat er sich bis San Francisco durchgeschlagen. Nun steht er in der Küche eines luxuriösen, exquisit eingerichteten Stadthauses und scheint sein Ziel erreicht zu haben.

Das Haus gehört seiner Geliebten Jennifer McCarthy, die die Stiftung ihres Vaters Michael, eines Multimillionärs, leitet. Die deutlich ältere Frau ist offensichtlich hin- und hergerissen, als sie am späten Abend nach Hause kommt und Fernando in ihrem Bett findet. Auf der einen Seite stehen ihr Begehren und ihre Sehnsucht nach ihm, die sie gleich in seine Arme treiben. Aber trotz der körperlichen Nähe und Harmonie zwischen ihnen, trotz der sinnlichen Romantik, die sie offensichtlich verbindet, bleibt eine Kluft. Die von Jessica Chastain verkörperte Jennifer wahrt immer einen letzten Rest an Distanz. So ist ihre Frage, ob der illegale Grenzübertritt nicht zu riskant war, auch ein dezenter Verweis darauf, dass es ihr lieber wäre, wenn Fernando dortgeblieben wäre und sie ihn besuchen würde.

Die soziale Kluft zwischen der überaus privilegierten Jennifer und dem illegalen Einwanderer Fernando, der selbst aus der gehobenen Mittelschicht Mexikos stammt, schafft ein klares Machtgefälle in Michel Francos »Dreams – Gefährliches Verlangen«. Ein Machtgefälle, das durchaus kippen kann, aber letztendlich doch wieder hergestellt wird. In gewisser Weise versuchen beide, dieser Situation zu entkommen. Sie versteckt ihre Beziehung vor ihrem Vater und ihrem Bruder, auch um sich selbst zu schützen. Aber noch wichtiger ist für sie die Illusion, mit Fernando einen Freiraum zu haben, in den die Welt des Geldes und der Repräsentation nicht eindringen kann. Doch diesen Freiraum kann es in den Vereinigten Staaten nicht geben.

Für Fernando kann ihre Beziehung dagegen nur in den USA wirklich frei sein. Dort will er seine Karriere als Balletttänzer vorantreiben und so eine andere Form von Unabhängigkeit erlangen. Eine Unabhängigkeit, die zugleich Status bedeuten würde, und der könnte Jennifers Reichtum zumindest etwas entgegensetzen. In Mexiko bliebe er dagegen immer der mittellose, von ihr abhängige Liebhaber, der hervorragend von ihrem Geld leben könnte, aber dafür seinen Stolz und sein Selbstwertgefühl opfern müsste. So stehen diese zwei Liebenden einem Dilemma gegenüber. Ihre Vorstellungen und das, was sie jeweils für sich brauchen, um diese Liebe leben zu können, lassen sich nicht miteinander vereinbaren.

Es gibt den einen oder anderen Moment, in dem etwas Utopisches aufscheint, vor allem in all den Szenen, in denen Jessica und Fernando ganz bei sich und ihrer Leidenschaft sind. Im Sex scheint sich alles andere aufzulösen. Doch selbst das ist trügerisch. Im Kampf um Macht und Status sind Leidenschaft und Sex ebenso Waffen wie Geld, Macht und rohe physische Gewalt. Je tiefer Michel Franco in das höchst komplexe, von Ambivalenzen und Widersprüchen durchwebte Geflecht dieser Beziehung eindringt, desto zynischer und kälter wirkt »Dreams«.

Das mag angesichts der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse unserer Gegenwart, der wirtschaftlichen wie politischen Macht von Multimillionären und Billionären, von Tech-Bros und Medienmoguln – wenn man zwischen diesen überhaupt noch unterscheiden kann – durchaus treffend sein. Allerdings hat Francos Fatalismus ebenso wie seine kühle, von klar komponierten Linien und längeren Einstellungen geprägte Ästhetik etwas Kalkuliertes. Fast entsteht der Eindruck, als wollte er wie Jennifer Distanz wahren, sich praktisch ungreifbar machen, indem er genau die Bilder und Ideen reproduziert, die ein sich liberal oder links wähnendes Publikum erwartet. So entwickelt sich die faszinierende Idee, ganz konkret in Kinobildern und -Emotionen über Geld und Sex, Macht und Liebe in Zeiten von Trump und Musk nachzusinnen, in ein kaltes Konzept und ein nihilistisches Nullsummenspiel.

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